„Man hat uns in teure Transfers reingehetzt“

von Redaktion

Hoeneß steht zu Müller, verteidigt aber auch die Einsatzzeiten von Neuzugang Coutinho

München – Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, auch das gehört zum Fußballbusiness. Zu erfragen bei Uli Hoeneß, der das aktuell alles überschattende Thema Thomas Müller bereits im Sommer als Problemakte auf seinem Schreibtisch liegen hatte – und diese mit dem Rest der Verantwortlichen abnickte. „Vor Monaten hat man uns noch reingehetzt in teure Transfers. Dann kommt der Coutinho und es heißt: ,Warum spielt der Müller nicht?’ Es war doch klar, dass es, wenn der kommt, für den Thomas schwieriger wird.“

Heißt im Umkehrschluss: Die Gründe für Müllers Stammplatz auf der Bank liegen nicht (nur) in Niko Kovacs Entscheidungen begründet, sondern wurden von den Bossen bereits vor der Saison mit der Verpflichtung Coutinhos in Kauf genommen.

Dass die Degradierung einer Identifikationsfigur und eines Weltmeisters medial so hohe Wellen schlägt, daran stört sich der Präsident allerdings. „Bei euch wird die Geschichte jede Woche weitergemacht“, klagte Hoeneß vor dem Abflug nach Athen gestern. „Man zwingt den Trainer, ihn aufzustellen. Das ist eine Schweinerei.“

Im Flieger Richtung Ägäis schaute Hoeneß dann nochmal bei den Journalisten vorbei, um Folgendes klarzustellen: „Keiner möchte Müller schädigen. Keiner möchte ihn loswerden.“

Fakt ist: Kovac steht vor einer ungemein schwierig zu moderierenden Situation. Im derzeitigen System gibt es nur eine einzelne Position für Müller und Coutinho. Auf dem rechten Flügel ist Serge Gnabry gesetzt, links Kingsley Coman – bleibt nur die Position im Zentrum, die allerdings für die edle Leihe aus Barcelona reserviert ist. Damit diese nach unspektakulärem Saisonbeginn endlich zur Bestform findet, soll er – auch auf Kosten Müllers – seine Minuten bekommen.

Dass der Brasilianer vor einer ungewissen Zukunft steht, kommt erschwerend hinzu. Aus Spanien ist zu hören, dass Barça das Kapitel Coutinho beendet hat und ihn nach der Saison – notfalls auch für weniger Geld als die im Leihvertrag vereinbarten 120 Millionen Euro – loswerden will. Coutinho, der sich in München wohlfühlt, spielt also um seine Zukunft. Wo diese – und auch die von Müller – liegt, steht allerdings noch in den Sternen.  lop

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