Schweinfurt – Allmählich kann sich die 3. Liga auf den ersten Verein im deutschen Profifußball mit türkischen Wurzeln einrichten. Mit dem 1:1-Remis im Topspiel bei Schweinfurt 05 behauptete Türkgücü München gestern Abend die Tabellenführung in der Regionalliga Bayern, der Vorsprung an der Spitze beträgt dadurch weiter drei Punkte. Der dritte Aufstieg in Folge rückt somit immer näher. Zumal davon auszugehen ist, dass Reiner Maurers vor der Saison mit 23 Zugängen komplett neu zusammengestellte Mannschaft nach der Winterpause noch besser harmoniert. Was keineswegs bedeutet, dass es bislang holpert.
So war auch gestern Abend das aus zuletzt vier Siegen am Stück gespeiste Selbstvertrauen des Spitzenreiters schnell zu erkennen: Von Beginn an setzten die Münchner die zunächst auf Abwarten eingestellten Unterfranken, die zuvor drei Pflichtspiele in Serie verloren hatten, unter Druck. Nachdem aber Kasim Rabihic (5.), Patrick Hasennhüttl (8.) und Benedikt Kirsch (12.) die ersten Möglichkeiten vergeben hatten, dauerte es bis in die Schlussphase des ersten Durchgangs, ehe die Münchner Türken ihre spielerische Überlegenheit in Zählbares ummünzen konnten. Nachdem die Schüsse von Hasenhüttl und Dominik Weiß zunächst noch abgewehrt wurden, versenkte Benedikt Kirsch den dritten Versuch zur Halbzeitführung im Schweinfurter Tor (42.).
Direkt nach dem Wiederanpfiff aber schlugen die „Schnüdel“ zurück: Flückiger konnte einen Kopfball von Stefan Kleineheismann zunächst noch parieren, gegen dessen Nachschuss aus kurzer Distanz jedoch war der Türkgücü-Schlussmann machtlos (47.). Die Dyanmik der Partie änderte sich dadurch komplett. Plötzlich waren die Unterfranken am Drücker, bei einem abgepfiffenen Treffer der Platzherren nach einem Fehler Flückigers hatten die Münchner zudem das Glück auf ihrer Seite (68.). Abgesehen von einer Großchance für Rabihic, der freistehend am Schweinfurter Torhüter Luis Zwick scheiterte (76.), fand Türkgücü offensiv nun kaum noch statt. Verlass aber war erneut auf die stabile Defensive um Abwehrchef Michael Zant, die den wertvollen Punkt im zweiten Abschnitt absicherte.
So können die Münchner Türken weiter vom Durchmarsch träumen. Erstmals steigt der Meister der bayerischen Regionalliga direkt in die 3. Liga auf, zudem erhält er ein Ticket für die erste Runde des DFB-Pokals. Seit gestern Abend ist es ein Stück wahrscheinlicher, dass es am Ende die Münchner Türken sind, die diesen Jackpot knacken. MATTHIAS HORNER