München – Das Angriffsressort der Löwen ist weiterhin nicht dazu geeignet, irgendeinem Verein Angst einzujagen. Nur drei Drittliga-Rivalen haben weniger Tore erzielt als der Tabellenfünfzehnte, wo speziell die „Spezialisten“ eine unrühmliche Bilanz aufweisen: Sturmroutinier Sascha Mölders verharrt bei zwei Treffern, Markus Ziereis und Prince Owusu kommen auf je einen. Tore von Außenbahnspielern sind Fehlanzeige. 11 der bescheidenen 15 Tore gehen auf das Konto von zentralen Mittelfeldspielern (Bekiroglu 3, Gebhart 1) und gelernten Außen- bzw. Innenverteidigern (Weber 2, Klassen, Paul, Steinhart). Zweimal half sogar der Gegner mit, womit Schütze „Eigentor“ relativ weit oben steht in der internen Ballermannliste.
Kein Wunder also, dass die Löwen nichts unversucht lassen, um diesen Missstand zu beheben – jetzt sogar mittels einer externen Lösung, die gestern an der Grünwalder Straße zu besichtigen war. Maximilian Oesterhelweg, 29, heißt der Kandidat, der seit dieser Woche vorspielen darf und wie alle Kandidaten vom FC Arbeitsamt auch zwischen Sommer- und Wintertransferperiode anheuern dürfte. Trainer Daniel Bierofka sagt über den ehemaligen Lotte-Profi: „Er ist vereinslos, hat eine Affinität zu München, und dann wärst du ja blöd, wenn du wegschaust.“ Anfangs hielt sich Oesterhelweg bei der U 21 fit. Jetzt, da beide Seiten auf bessere Zeiten hoffen, habe man entschieden, „ihn bei uns mitlaufen zu lassen“. Spätere Heirat nicht ausgeschlossen.
Der Kontakt kam über Aaron Berzel zustande, bei dem Oesterhelweg derzeit wohnt. Auch Co-Trainer Oliver Beer ist ein alter Bekannter – gemeinsam waren die drei in der Saison 2015/16 für den Regionallisten SV Elversberg tätig. Anders als bei früheren Testspielern klingt Bierofka nicht so, als wäre der Außenbahnspieler nur eine vorübergehende Erscheinung. „Er kann ein bisschen was von allem“, hat der Löwen-Coach schon nach einer Einheit erkannt: „Er ist schnell, dribbelstark, hat einen guten Abschluss und kann Tore vorbereiten.“ Für Lotte kam er in den beiden vergangenen Spielzeiten auf insgesamt 14 Tore und 14 Assists. „Das ist eine gute Bilanz“, sagt Bierofka, der früher ebenfalls auf der Außenbahn zu Hause war: „Dementsprechend ist er für uns interessant, aber jetzt müssen wir erst einmal schauen, wie weit er ist.“
Als sportliches Vorbild hat Oesterhelweg in einem früheren Steckbrief Marco Reus angegeben. Obwohl Rechtsfuß, gilt der linke Flügel als sein bevorzugtes Revier, was Rückschlüsse zulassen könnte auf den Genesungsstand von Platzhirsch Nico Karger. Bierofka jedoch betonte, dass eine Verpflichtung unabhängig davon geprüft werde, wann Karger wieder fit ist (geplant ist nach wie vor November). „Er (Oesterhelweg) bleibt auf jeden Fall dabei“, so der 1860-Coach: „Die Winterpause ist nicht mehr lange hin. Vielleicht können wir dann ja was machen, wenn’s finanziell möglich ist.“