Der Schlagkräftige so gut wie am Ziel

von Redaktion

FORMEL 1  Hamilton vor dem Gewinn seines sechsten WM-Titels – Vettel zum Gratulieren bereit

Mexiko-Stadt – Gleich nach der Ankunft in Mexiko ließ Lewis Hamilton die Fäuste sprechen. Auch im Ring mit Box-Ikone Julio Cesar Chavez (57) bewies der 34-jährige Brite Kampfeslust und Schlagkraft und zeigte damit im Kern das, was ihn auch als Rennfahrer ausmacht – und was ihm schon am Sonntag (20.10 Uhr/RTL und Sky) zum sechsten Mal den Formel-1-Titel bescheren könnte. „Er hat gesagt, ich habe einen ordentlichen Bums“, verriet Hamilton nach der Showeinlage mit dem mexikanischen Altmeister.

Schmerzen bereitet der WM-Spitzenreiter seit Jahren auch seinen Rivalen auf der Rennstrecke, allen voran Sebastian Vettel. „Es ist ziemlich unglaublich, was Mercedes und Lewis in den vergangenen Jahren gemeinsam erreicht haben“, sagte der Ferrari-Pilot vor dem viertletzten Saisonlauf. Nein, er verspüre keinen Neid auf Hamiltons Triumphserie, versicherte Vettel: „Ich erkenne seine Leistung an.“

Es ist schon weit vor Schluss nahezu jegliche Spannung aus dieser Saison entwichen. Eigentlich geht es nur noch darum, wann Hamilton auch rechnerisch wieder Weltmeister ist – und dann nur noch einen Titel entfernt von Michael Schumachers Rekordmarke. Holt der Brite in Mexiko 14 Punkte mehr als sein Stallgefährte Valtteri Bottas, haben auch die Mathematiker Ruhe.

Und weil die Titelfrage eigentlich beantwortet ist, haben Hamilton und Vettel sogar Zeit für eine bemerkenswerte Klimadebatte. Der Fast-Champion will künftig weniger fliegen, Plastikmüll vermeiden – und seine Sportwagen gegen E-Mobile eintauschen. „Ich weiß, dass unser ökologischer Fußabdruck höher ist als beim Durchschnitt. Aber deshalb sollten wir keine Angst haben, uns offen für einen positiven Wandel auszusprechen“, sagte Hamilton. Vettel wünscht sich eine starke Botschaft von der Formel 1 und behauptet: „Der Wandel wird kommen, wir müssen ihn annehmen.“ Nun ja.

Auf ihre Rivalität auf der Rennbahn wollen die beiden Klimaretter vorerst nicht verzichten. Hamilton hat als Ansporn den dauerhaften Platz in den Rekordbüchern seines Sports, Vettel die jüngsten Anzeichen des Fortschritts bei Ferrari. „Wir müssen so weitermachen, um Mercedes vom Thron zu stoßen“, sagte der 32-Jährige. Die verbleibenden Saisonrennen sollen mit Ferrari-Siegen „die Richtung für das nächste Jahr vorgeben“, wünscht sich Vettel. Er weiß: „Der Schlüssel wird sein, dass wir nächstes Jahr von Anfang an vorn sind und dann auch vorn bleiben.“

Klingt einfach, hat aber zuletzt bei den Roten nie geklappt. Mercedes hingegen hat Abläufe perfektioniert, die richtigen Menschen in Schlüsselrollen gebracht, das technische Reglement am besten verstanden und für den Starpiloten Hamilton das ideale Umfeld geschaffen. „Die Leute wissen es nicht zu schätzen, wie hart das ist. Sie knipsen den Fernseher an und sehen ein paar Stunden unseres Wochenendes. Aber es fließt im Hintergrund so unheimlich viel Arbeit rein“, sagte Hamilton.

Vettel zieht vor der Leistung der Silbernen den Helm. „Das ist nicht aus Glück entstanden oder aus heiterem Himmel passiert“, sagte der Heppenheimer. Bei seinen vier Titeln mit Red Bull zwischen 2010 und 2013 hatte er so eine Erfolgsära selbst erlebt. Mit Ferrari indes ging bislang zu oft etwas schief. „Ich glaube an unser Team. Wir haben die richtigen Leute, wir müssen es nur besser zusammenbringen“, versicherte Vettel. Der WM-Kampf 2020 beginnt irgendwie schon in Mexiko.  dpa

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