Götze & Müller in der Krise

Ein bisschen Spaß muss sein, dann…

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2014? Wenn nicht, hatten Sie für diese Zeit mit Sicherheit einen Trip auf den Mond gebucht. Ohne WLAN. Deutschland feiert in diesen Tagen seine Weltmeister. Ein Land im nationalen Fußballrausch. Mittendrin: Thomas Müller und Mario Götze. Müller als fünffacher Torschütze am Zuckerhut. Götze als „Golden Boy“, der mit seinem Tor im Finale gegen Argentinien kurz vor Abpfiff die Gefühlseruption auf den Gipfel katapultierte.

Fünf Jahre sind seit dem inzwischen vergangen. Und die Helden von Rio sind zu notorischen Bankdrückern geschrumpft. Als maximale Form der Wertschätzung klebt nur noch das Etikett „Edeljoker“ an ihnen. Ein Blick in die Statistik schmerzt, gemessen an der einstigen Bedeutung der Betroffenen: Götze wurde diese Saison von Lucien Favre dreimal von Beginn auf das Feld geschickt. Müller von Niko Kovac viermal und er kommt insgesamt auf 387 Spielminuten in der Bundesliga. Götze sogar nur auf 245. Zwei Stars im Krisenmodus. Aber mit völlig unterschiedlichen Reaktionen.

Während Götze seine Emotionen versteckt, sich nur via Instagram und auf Englisch rechtfertigt, stellt sich Müller und entzieht dank seiner rhetorischen Klasse der Situation die Schärfe: „Ich habe gehört, dass es hier ab Montag kälter wird. Dann habe ich die Luftveränderung auch hier. Deswegen halten wir den Ball da schön flach“, sagte er nach dem 2:1-Heimsieg gegen Union Berlin. Solche Sprüche ändern nichts an seinem sportlichen Wert für den Bayern-Trainer. Die Situation kann sich jedoch entkrampfen. Wenn Müller derart unbekümmert und mit einem Augenzwinkern auch wieder auf dem Platz agiert, erledigt sich sein Schattendasein von selbst.

In seinen stärksten Spielen begeisterte auch Mario Götze mit seiner Unbekümmertheit. Heute wirkt er verkopft und gefangen in seiner düsteren Gedankenwelt – auf und neben dem Platz. Humor als Waffe könnte auch für ihn ein Weg aus der Krise sein.

Frei nach dem deutschen Schriftsteller Joachim Ringelnatz, der erkannte schon vor 100 Jahren: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

Daniel.Mueksch@ovb.net

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