Locker, legendär, Lewandowski

von Redaktion

Der 19. Pflichtspieltreffer des Polen rettet mal wieder die Bayern – und ist eine Bestmarke

VON HANNA RAIF UND JONAS AUSTERMANN

München – Robert Lewandowski versuchte, die Trophäe mit beiden Händen zu verstecken, aber es gelang nicht. Die Frage nach dem Ding in seiner Hand kam, und der Pole entgegnete: „Sie ist für den besten Spieler.“ Also für den „Man of the Match“, sagte jemand. „Nein, nein“, so Lewandowski, „für die ganze Saison“. Er hatte keine Ahnung. Irgendein Online-Portal hatte irgendeine Fan-Wahl veranstaltet, und irgendwie hatte Robert Lewandowski gewonnen. Aber gut. Wen wundert‘s?

Es passte natürlich, dass der Stürmer des FC Bayern nach dem 2:1 gegen Union Berlin mit einem Glaspokal aus der Allianz Arena spazierte. An einem Tag, an dem er – mal wieder – Geschichte geschrieben hatte. Das zwischenzeitliche 2:0, das er nach einem sehenswerten Doppelpass mit dem bedauernswerten Union-Spieler und Toni-Bruder Felix Kroos erzielt hatte, war nicht nur sein 19. Pflichtspieltreffer in der noch jungen Saison gewesen, sondern lieferte noch eine weitere Bestmarke. Seit 56 Bundesliga-Jahren ist es keinem anderen Spieler gelungen, in den ersten neun Partien der Saison mindestens ein Tor zu erzielen. Acht Mal hintereinander hatte es Pierre-Emerick Aubameyang 2015 geschafft, doch darüber spricht nun niemand mehr.

Als das Ding also in der 53. Minute im Netz zappelte, huschte immerhin kurz der Ausdruck von Erleichterung über Lewandowskis Gesicht. Nachher sagte er aber: „Über Rekord lese ich nichts. Ich muss fokussiert bleiben.“ Worte, die man dem Muster-Profi und Model-Athleten glauben kann, und Worte, die in der anhaltenden Herbst-Depression beim FC Bayern Mitspieler wie Verantwortliche erfreuen. Es ist erstaunlich, dass in einem Team, in dem wenig funktioniert, ein Einzelner liefert und liefert. Unter anderem Thomas Müller hofft, „dass sein Lauf noch lange anhält, das ist gut für uns“. Damit untertreibt Lewandowskis Offensiv-Partner. Ohne die Tore des Nationalspielers wären die Bayern Mittelmaß.

„Er ist derjenige, der uns im Moment so weit oben hält“, sagte Niko Kovac nach dem erneuten Zitter-Sieg und attestierte seiner Bayern-Trainer-Lebensversicherung die „Form seines Lebens“. Als „überragend“ bezeichnete Müller die Verfassung des 31-Jährigen und fügte mit Blick auf das Glücks-Tor mit Kroos-Hilfe hinzu: „Wie das für einen gut Torjäger bei einem Lauf auch gehört, hat er den Gegenspieler in unnachahmlicher Weise aussteigen lassen, düpiert fast schon.“

Freilich war das ein Scherz, trotzdem wirkt Lewandowski in seinem sechsten Bayern-Jahr so komplett wie nie zuvor. Er selbst bestätigt, dass der viel gepflegte Körper und der freie Geist derzeit bestens harmonieren, „beides passt zusammen“. Nach von Wechselgerüchten dominierten Jahren ist er aus dieser Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Auch intern ist das Standing des so lange als Einzelgängers geltenden Torgaranten deutlich besser geworden.

Und so macht er halt weiter das, „wofür er geboren wurde“ (Müller). Ein Ende des Tor-Rausches ist nicht in Sicht. Wie die zahlreichen Fan-Abstimmungen über diese Saison enden werden, ist abzusehen. Der nächste Glaspokal wird nicht lange auf sich warten lassen.

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