Königliches Vorbild

von Redaktion

Wenn der FC Bayern heute Madrid empfängt, treffen (noch) Welten aufeinander

VON NICO-MARUIS SCHMITZ

München – „Real ist immer Real, auch im Basketball.“ Mit dieser scheinbar banalen Aussage bringt FC-Bayern-Coach Dejan Radonjic den Status der Korbjäger von Real Madrid auf den Punkt. Nicht nur im Fußball gehören die Königlichen zur Crème de la Crème. Auch im Basketball zählen die Hauptstädter seit Jahrzehnten zur europäischen Elite. Der FC Bayern erwartet somit (20.30 Uhr) nicht nur ein Topteam. Sondern auch ein Vorbild.

Bereits beim ersten Aufeinandertreffen mit den Königlichen, im Rahmen der Airport Basketball Days 2017, sagte Vereinspräsident Uli Hoeneß: „Real Madrid ist nicht nur im Fußball das Maß der Dinge, auch im Basketball haben sie viele Titel gewonnen, es wäre wunderbar, wenn wir so eine Position erreichen könnten.“ Das Showspiel fand damals am Münchner Flughafen statt.

Selbst zu den Überfliegern zu gehören, lautet das Ziel des FC Bayern seit einer vereinsinternen Befragung vor neun Jahren: 75 Prozent der Mitglieder stimmten dafür, dass die Basketballabteilung – Traditionsreich, aber allenfalls im ambitionierten Amateurbereich unterwegs, stärkere Unterstützung erfahren und die erste Mannschaft die nationale Spitze anstreben soll. Und hier ist der erste wichtige Faktor im Vergleich der beiden Vereine, die Historie: Während die Münchner 2010/11 noch in der ProA (zweite Liga) gegen Mannschaften wie die Cuxhaven BasCats antraten, spielte Madrid seine 28. Saison in der LIGA ACB, die als stärkste europäische Basketball-Liga gilt, und beendete die Euroleague auf dem vierten Platz.

„Die vielen Trophäen, die vielen Jahre in der Euroleague, die vielen großen Namen, ihre Geschichte“, zählt Radonjic die Überlegenheit der Spanier auf. Der Rekordmeister (35 Titel, zudem 27-maliger spanischer Pokalsieger) erreichte bis 2015 dreimal in Folge das Finale der europäischen Liga. Gekrönt wurde die Serie 2015 durch den 78:59-Sieg über Olympiakos Piräus.

Für die Münchner kommt es in dieser Saison erst zum zweiten Mal zum internationalen Kräftemessen mit den Größten des Kontinents. 2018/19 qualifizierte man sich mit Platz zehn nicht für die Playoffs. Damit es 2019/20 besser läuft, erhöhten die Münchner ihren Etat, der letzte Saison bei rund 20 Millionen lag, noch einmal. Sie verstärkten sich unter anderem mit dem Ex-NBA-Spieler Greg Monroe.

Doch auch hier hat Real die Nase klar vorn. Laut dem französischen Magazin „Basket Le Mag“ konnte Madrid in der letzten Saison auf ein Gehaltsbudget von 31 Millionen zurückgreifen (Gesamtetat 42 Millionen) – europäische Spitzenwerte im Basketball. Madrid weist einen sehr tiefen Kader auf, der zudem für Konstanz steht. Pablo Laso ist seit 2011 Trainer und konnte in Madrid seine Spielphilosophie über die Jahre aufbauen und entwickeln. Facundo Campazzo, Felipe Reyes, Sergio Llull und Rudy Fernandez bilden seit Jahren den Kern, der nur punktuell verstärkt wird – beispielsweise mit Jordan Mickey.

Konstanz und Routine als Schlüssel zum Erfolg: „Von der Organisation ist es vielleicht sogar das beste Team in Europa. Es sind einfach viele Sachen im Alltag, die perfekt laufen. Das hat sich über die Jahre entwickelt“, sagt Paul Zipser, der noch „einen großen Schritt“ für die Münchner sieht, um auf einer Stufe mit Madrid zu sein. Ein weiterer Schritt ist sicherlich auch der Umzug in den SAP Garden, der Platz für 11 500 Fans bieten wird. Die Spanier laufen aktuell im WiZink Center auf (15 000).

Doch noch ist der Audi Dome der Ort des Duells. Ein Sieg gegen Madrid „zählt so viel wie gegen jedes andere Team“, daher ist Zipser vor dem Duell nicht besonders nervös. Vielleicht ändert sich das bis zum Sprungball noch. Denn Real ist immer Real. Auch im Basketball.

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