Kathmandu – Sein Foto vom „Stau“ auf dem Mount Everest wurde im Mai weltberühmt, fünf Monate später kletterte Extrembergsteiger Nirmal Purja selbst in die Geschichtsbücher. Der Nepalese stand innerhalb von etwas mehr als sechs Monaten auf den Gipfeln aller 14 Achttausender – ein nicht für möglich gehaltener Rekord. „Es waren zermürbende Monate. Hoffentlich habe ich bewiesen, dass mit Zielstrebigkeit, Selbstvertrauen und einer positiven Einstellung alles möglich ist“, sagte Purja, nachdem er sein spektakuläres Vorhaben am Dienstag auf dem 8027 m hohen Shishapangma in China vollendet hatte: „Wir haben mit nichts angefangen. Schaut, wie weit wir gekommen sind.“
Seitdem Reinhold Messner 1986 als erster Mensch die Achttausender-Reihe komplettierte, haben überhaupt nur knapp 40 Bergsteiger das Kunststück geschafft. Doch niemand auch nur annähernd so schnell wie Purja, die Bestmarke lag bisher bei etwas unter acht Jahren. Messner gratulierte Purja zu einer „einzigartigen bergsteigerischen Leistung“. Nur die wenigsten Experten hatten an einen Erfolg des 36-Jährigen geglaubt. „Jeder hat über mich gelacht und gesagt: Wie soll das gehen?“
Sein Erfolgsrezept? Hingabe. Für sein großes Ziel opferte der ehemalige britische Elitesoldat viel. Er trat vorzeitig aus dem Militärdienst aus, belastete sein Haus mit einer Hypothek – und begann sein Abenteuer am 23. April mit dem Gipfelsturm auf die Annapurna. Mitte Mai erreichte er am gleichen Tag die Gipfel des Mount Everest und dessen über den Südsattel verbundenen Nachbarbergs Lhotse. Auf dem Everest entstand auch sein weltberühmtes Bild. Die sich auf einem schmalen Grat entlangziehende Menschenschlange machte den ganzen Irrsinn des kommerziellen Massentourismus am höchsten Berg der Welt deutlich. Doch nur wenige kannten den Fotografen, Medien benutzten das Bild, ohne Purja zu honorieren.
Nach einem Monat hatte er bereits sechs Achttausender bestiegen, wenn auch mit Hilfe von Flaschensauerstoff, unter Puristen verpönt. Zudem benutzte er zwischen den Basislagern Helikopter, um im Zeitplan zu bleiben. Dann wurde er mit großen Problemen konfrontiert. China hatte den Shishapangma für Expeditionen gesperrt, erst nach bangem Warten durfte er den Aufstieg mit einer Sondergenehmigung in Angriff nehmen. Und triumphierte. „Mission erfüllt“, hieß es auf seiner Facebookseite des „Project Possible“.
Bleibt die Frage nach dem Warum. Er wolle die nächste Generation nepalesischer Kletterer inspirieren, seine Rekorde zu brechen, sagte er. „Nepal ist die Heimat der höchsten Gipfel der Welt, aber Nepalesen bekommen diese Chancen nicht.“ sid