Bühne frei für die alten Helden

von Redaktion

Löwen-Not als Chance: Bierofka setzt auf Kern seiner Aufstiegsmannschaft

VON ULI KELLNER

München – Die Lage ist ernst beim TSV 1860. Sportlich. Finanziell sowieso. Neuerdings auch personell. Nicht ins Bild passt die Gemütslage des Trainers, die von einer unverändert guten Moral beim Tabellenfünfzehnten zeugt. Deutlich wird das am Freitag, als Daniel Bierofka ein Reizwort an sich abperlen lässt, das dem Fragesteller in wirklich angespannten Zeiten ein Höchstmaß an bösen Blicken eingetragen hätte.

Das Reizwort lautet: Krisengipfel. Eine Zuspitzung, die sich aufdrängt, wenn man sich den beiden Kontrahenten an diesem Samstag über die Ergebnisschiene nähert. Die Löwen mussten zwischen den jüngsten Auswärtsniederlagen eine Heimpleite gegen Uerdingen verdauen. Viktoria Köln, der gut gestartete Aufsteiger, ist gar seit fünf Spielen sieglos. Bierofkas Reaktion? Er hört das Reizwort, bleibt trotzdem im Ruhepuls und sagt wie der Buddha von Giesing: „Ergebnisse sind Ergebnisse. Ich muss mich als Verantwortlicher an Inhalten orientieren, und wenn zwei Trainer sagen, dass sie glücklich gewonnen haben, dann können wir nicht so viel verkehrt gemacht haben.“

Bierofkas Zuversicht basiert aber nicht nur auf dem Lob der Kollegen aus Würzburg und Rostock. Sie hat auch viel mit jenen Spielern zu tun, die übrig bleiben, nachdem sich neben den Langzeitverletzten auch noch Stammkeeper Hendrik Bonmann (muskuläre Probleme), Abwehrrecke Dennis Erdmann (Gelbsperre) und Mittelfeldlenker Timo Gebhart (Achillessehne) abgemeldet haben. Das Team am Samstag stellt sich praktisch von selber auf – und es wird jenem nicht unähnlich sein, dass vor zwei Jahren den Aufstieg aus der Regionalliga erzwungen hat. „Egal, wie das Spiel ausgeht“, sagt Bierofka mit Blick auf die Elf, die von hinten (Hiller) bis ganz vorne (Mölders) an den rauschhaften Sommer 2018 erinnert: „Ich weiß, es wird ein Team auf dem Platz stehen, das einen tollen Charakter hat.“

Bierofka klingt wie ein Fan, der sich freut, dass seine alte Lieblingsband noch einmal für ein Konzert zusammen auf die Bühne steigt. Grundsätzlich, findet der Coach, sei es ohnehin an der Zeit, dass sich das Glück mal wieder auf die Seite seiner zuletzt unglücklichen Mannschaft schlägt. „Wir lassen defensiv wenig zu. Momentan ist es aber so, dass gefühlt jeder Schuss gegen uns ein Tor ist“, sagte er mit Blick auf die Pleiten in Würzburg und Rostock (jeweils 1:2): „Das ist gerade leider prägend für uns.“

Sein Appell: „Wir müssen das Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ich würde mich freuen, wenn ich nach dem Spiel am Samstag mal wieder in lachende Gesichter meiner Spieler blicken dürfte. Das wäre für mich das größte Geschenk.“ Die Moral der Aufstiegshelden in Verbindung mit der Bierruhe des Trainers könnte sich im Krisenduell mit der Viktoria als Pluspunkt erweisen.

Artikel 1 von 11