Ob sich Jugendarbeit im Fußball lohnt, ist wohl eine Frage der Perspektive. Die dreieinhalb Millionen, die Unterhaching aus Salzburg für ein seit der E-Jugend ausgebildetes Top-Talent erhalten hat, waren für den Verein ein Segen, für den FC Bayern dagegen wären das Peanuts. Nennenswerte Beträge (für ihre Verhältnisse) können die Bayern kaum erwirtschaften, wenn sie ihre Talente verscherbeln. Wirklich lohnenswert wäre die Sache nur, wenn es ein Eigengewächs dauerhaft in den eigenen Profikader schafft, das aber ist seit David Alaba nicht mehr passiert. Der Österreicher hatte dabei das Glück, dass damals in Louis van Gaal ein Trainer bei Bayern war, der sich, siehe auch Müller und Badstuber, sehr offen zeigte für den eigenen Nachwuchs.
Das hat sich unter den Nachfolgern ziemlich geändert, wobei die Gründe wohl nicht immer nur bei den Trainern zu suchen sind. Der FC Bayern hat zwar für rund 70 Millionen Euro dem Nachwuchs ein tolles Leistungszentrum gebaut, die sportliche Leitung aber scheint mehr der Ausbildung in anderen Clubs zu vertrauen. Was bestimmt echt bitter ist für die Bayern-Jugendtrainer, wenn statt der Jungs, die sie mühsam auf Top-Niveau zu hieven versuchten, Gleichaltrige aus Stuttgart, Hamburg und Mönchengladbach geholt werden, aus Kanada, Neuseeland und den USA. Die auch erst den Beweis antreten müssen, dass sie besser sind (was zuletzt in mehreren Fällen kaum gelungen ist). Ist es nun ketzerisch, zu fragen, ob das viele Geld für die eigene Nachwuchsarbeit nicht besser eingespart werden könnte?
Aber wie gesagt, ob sich Ausbildung lohnt, ist eine Frage der Perspektive. Auch oder gerade ein FC Bayern, der sich an Europas absoluter Spitze orientiert, kann nicht Jahr für Jahr einen eigenen Jungen rausbringen, der auf Anhieb Weltmeister verdrängt. Oft aber reicht es auch nicht mal mehr für die Bundesliga, das war früher auch mal anders. Aktuell sind in den Kadern der übrigen Erstligisten gerade mal 16 Mann, die bei Bayern ausgebildet wurden, echte Stammkräfte sind aktuell nur Hummels, Schöpf, Max, Friedl und Zingerle. Da haben die Löwen mehr zu bieten, von dort stammen Leute wie Weigl, die Benders, Volland, Neuhaus, Johnson, Baier oder Uduokhai, deren Transfers für 1860 überlebensnotwendig waren. Womit sich in diesem Fall die Frage erübrigt, ob sich die Nachwuchsarbeit gelohnt hat.
In Unterhaching sieht man sich sowieso als Ausbildungsverein, Manni Schwabl, dem Präsidenten, ist die Jugend fast noch wichtiger als die Profitruppe. Mächtig stolz ist man gerade darauf, dass sich der Nachwuchskeeper Nico Mantl anschickt, mit gerade mal 19 einer der besten Torhüter der 3. Liga zu werden und auch schon beim DFB gefragt ist. Sowas wirkt sich nicht nur positiv auf den Börsenkurs, sondern auch aufs Image aus und könnte den Hachingern, wenn sich Mantl weiter so entwickelt, mal eine fette Ablösesumme bescheren. Wäre auch nur gerecht, wer so viel Geld und Herzblut in die Ausbildung steckt und dann noch den Mut hat, den Jungs Vertrauen zu schenken, sollte schon auch gute Rendite bekommen.
Bei den Bayern muss man dagegen wohl länger warten, bis sich die Investitionen in den Campus amortisieren. Dabei könnte es schnell gehen, wenn Talente wie Lars-Lukas Mai die Chance bekämen, sich nachhaltig in der Bundesliga zu zeigen. Der Marktwert stiege schnell in astronomische Höhen und bei den Fans käme das wohl auch besser an, als wenn man nur die größten Talente anderer Clubs abwirbt.
Oder sieht man die Nachwuchsarbeit bei Bayern rein altruistisch? Manchmal starten ja die durchweg gut ausgebildeten Talente, die oben trotzdem keine Chance kriegen, woanders durch. Beispiel Emre Can. Oder auch Hummels.
Der FC Bayern hat ein tolles Leistungszentrum, tut sich aber schwer mit effizienter Jugendarbeit