Die Hoffnung der Liga vor der Länderspielpause

von Redaktion

Können die Bremerhavener Auswärtsspezialisten den EHC München aufhalten? – Gnadenlos effizient in Wolfsburg

VON GÜNTER KLEIN

Wolfsburg/München – Die Grizzlys Wolfsburg hegten berechtigte Hoffnung, dass sie das schaffen könnten, was man in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) als Sensation bewerten muss – egal welchem Team das gelingt: den EHC München zu schlagen.

Wolfsburg, trainiert vom ehemaligen Münchner Pat Cortina, hatte sich von einem 1:3-Rückstand auf ein 3:3 herangekämpft. Und wie man so schön sagt: Das Momentum hatte sich auf die Seite der Niedersachsen geschlagen. Die 53. Minute dann: Strafzeit für EHC-Verteidiger Yannic Seidenberg, Überzahl für Wolfsburg, die Chance zum 4:3. Jedoch: 24 Sekunden später stand es 3:4. Durch einen Gegentreffer, der so entstand, dass man sich von ihm nicht mehr erholt.

Der Münchner Daryl Boyle chippt in Unterzahl die Scheibe weg, aus der defensiven Klärungsaktion wird ein Pass, Yasin Ehliz sprintet los, sein Gegenspieler Wade Bergman kommt nicht vom Fleck. Der Wolfsburger Torwart Felix Brückmann entscheidet sich, den Manuel Neuer zu machen und stürmt – sieht man selten im Eishockey – dem Angreifer entgegen. Schlecht getimt. Ehliz umspielt den Goalie und schiebt ein. Schließlich gewann der EHC – weil noch das obligatorische Empty-net-goal folgte (durch Frank Mauer) – 5:3 (2:1, 1:1, 1:2).

Yasin Ehliz sagte zum 15. Sieg im 16. Saisonspiel: „Auch wenn wir mal den Faden verlieren: Wir lehnen und nicht zurück, wir hören nicht auf.“ Damit war die Partie in Wolfsburg gut beschrieben. Ohne Fehl und Tadel agierte der Tabellenführer bei Weitem nicht. Torwart Danny Aus den Birken ließ sich in der 2. Minute von einem Mittellinien-Schlenzer von Jeff Likens überraschen. Im zweiten Drittel kamen die Münchner zu nur vier Schüssen. „Und wir waren zu oft in der Box“, meinte Daryl Boyle: Die Box ist die Strafbank.

Was jedoch für den EHC sprach: seine Effizienz. Fünf Tore aus 22 Schüssen, zwei im Powerplay (Parkes und Hager), abermals ein stark vollendeter Spielzug der jungen Reihe (Daubner zum 3:1). Mark Voakes hatte wieder einen Assist, wodurch er im sechsten Match in Folge punktete und der heißeste Spieler der DEL ist.

Die Dominanz des EHC ist erdrückend, obwohl ihm einige Stammspieler fehlen (Gogulla, Roy, Parlett), da freut sich der Rest der Liga schon aufs nächste Wochenende. Denn das wird wegen des Deutschland Cup für die Vereine spielfrei sein. Vor der Pause ist noch eine Runde, am Sonntag (19 Uhr) erwarten die Münchner die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Ein für sie traditionell unangenehmer Gegner.

Darf die Liga hoffen, dass der EHC einen Dämpfer abbekommt? Die Pinguins sind das zweitbeste Auswärtsteam der DEL. Eine schöne Herausforderung für die beste Heimmannschaft.

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