Es war eine furchtbar schwere Geburt. Die Formel 1 kreißte eine gefühlte Ewigkeit, um ein neues, längst überfälliges Regelwerk zu gebären, sich vom Stillstand der vergangenen Jahre zu verabschieden und in Richtung Zukunftsfähigkeit abzubiegen. Nun also haben sie endlich die Kurve gekriegt: 2021 wird die Königsklasse des Motorsports spannender, gerechter, kostengünstiger, nachhaltiger – einfach besser auf allen Ebenen. Na, wurde auch höchste Zeit, dass die festgefahrene PS-Show, die sich seit einiger Zeit als Formel Gähn präsentiert, in Sachen Reformen mal in die Gänge kommt.
Der neue Weg der Formel 1, der in Austin/Texas vorgestellt wurde, klingt gut und vernünftig – beschert er doch genau das, was Kritiker schon lange fordern: Kostendeckelung, faireren Wettbewerb, mehr Chancen für die kleinen Teams, die bislang bei den GP-Rennen lediglich als Auffüll-Staffage hinter den großen Drei (Mercedes, Ferrari, Red Bull) mitmachen dürfen. Zudem sollen ab 2021 aerodynamische Änderungen und technische Vereinfachung (Einheitsteile für die Rennwagen) für mehr Ausgeglichenheit, Action und Spannung sorgen. So weit der Plan. Einen „Meilenstein in der Geschichte des Sports“ nennt Jean Todt, der Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, die Neuerungen. Doch ob es tatsächlich so kommt wie angekündigt: abwarten.
Schon wird am Aufbruch in die Zukunft reichlich herumgenörgelt. Die Top-Teams, die bislang pro Jahr bis zu 400 Millionen Euro verbrauchten, jammern vor allem über die schlimme Kostendeckelung (auf 175 Millionen Euro). Dabei haben die Großen in Wahrheit auch weiter einen gewissen Wettbewerbsvorteil, weil Fahrergehälter, Marketing-Ausgaben sowie Gehälter für Top-Manager von der neuen Budgetregelung abgekoppelt sind. Die kleinen Teams klagen allerdings auch – sie hätten gerne noch mehr (finanzielle) Gerechtigkeit.
Man sieht: Die Formel 1 und ihre Darsteller bleiben auch nach der beschlossenen Reform auf Kollisionskurs. Da werden wohl am Ende Juristen ein entscheidendes Wörtchen mitreden. Das schlimmste vorstellbare Szenario für die Königsklasse: Die großen Teams steigen aus. Man stelle sich vor: eine WM ohne Mercedes und Ferrari. Das wäre dann doch nicht die Zukunft, sondern eher der Untergang der Formel 1.
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