München – Der Tag vor dem Feiertag ist ein dankbarer für eine schnelle Pressekonferenz. Wenn am nächsten Tag keine Zeitungen erscheinen, ist der Andrang üblicherweise überschaubar, und damit auch die Menge an kritischen Fragen. Wenn sich aber am sogenannten „Journalistenfeiertag“ ein Bayern-Trainer ankündigt, der zum einen unter Druck steht und sich zum anderen in letzter Zeit mit eigenen Aussagen gerne selbst in die Bredouille gebracht hat, gelten andere Gesetze. Der Presseraum an der Säbener Straße war am Donnerstag, also zwei Tage vor dem Gastspiel bei Eintracht Frankfurt an diesem Samstag (15.30 Uhr), gut besucht. Und die kritischen Fragen dementsprechend zahlreich gesät.
Kurz war der Auftritt von Niko Kovac trotzdem, gerade 17 Minuten, aber die reichten für Kernsätze, die nachwirkten. Einer davon lautete: „Ich werde mich und meine Person und meinen Charakter nicht ändern.“ Der 48-Jährige nahm damit Bezug auf zahlreiche Aussagen – „Notnagel“ Thomas Müller, Bayerns „100-PS“-Profis, Frankfurts Fans als „beste der Liga“ –, die ihm in den vergangenen herbstdepressiven Wochen falsch ausgelegt worden waren. Womöglich, sagte er, solle er sich klarer ausdrücken, „nicht mehr so in Metaphern oder wie ein Dichter reden“. Er stellte aber auch fest: „Wenn die Ehrlichkeit in der heutigen Zeit nicht mehr erwünscht ist, dann können wir alle einpacken. Da bin ich der Falsche.“
Der Falsche oder der Richtige – das ist ja ohnehin im Moment die Frage, die Kovacs Handeln beim FC Bayern begleitet. Die Stimmung intern ist ähnlich schlecht wie die Auftritte auf dem Rasen. Nicht wenige fragen sich, wie lange man lustlose und unsouveräne Spiele wie jenes beim 2:1 in Bochum noch dulden kann. Und noch viele mehr wissen, was passiert, sollten in Frankfurt, gegen Piräus und Dortmund auch die Ergebnisse nicht stimmen.
Kovac ist vor der Reise in seine Vergangenheit mindestens angezählt. Die Spieler vermissen taktische Variabilität und sind genervt vom defensiv ausgerichteten Training, dem Millionen-Kader fehlt es an Automatismen und Selbstvertrauen. Zehn Gegentore in sechs Partien sind das eine. Der Verlust von Dominanz selbst gegen die kleinsten Teams das andere. „Sorglos“, nennt Karl-Heinz Rummenigge die Leistung.
Kovac, der die Vorjahres-Herbstkrise mit einer Siegesserie konterte, mahnt zur Geduld, um „es auch von der Ästhetik, der B-Note“ wieder besser zu machen. Er sagt: „Wir werden es schon noch hinkriegen.“ Im Moment biete man den Fans – übrigens: auch die Bayern-Anhänger seien „klasse“ – keinen schönen Fußball. Schuld daran seien aber vor allem „die Jungs“, die die von ihm angesprochenen Dinge „im Moment nicht so umsetzen“.
Sätze dieser Art kommen bei den Spielern nicht gut an, sie wirkten auch am Donnerstag, als weise Kovac jegliche Art von Kritik von sich. In Frankfurt, wo auch der zuletzt angeschlagene Javi Martinez wieder mitwirken kann, wünscht sich der Coach nun „mehr Leidenschaft in den Zweikämpfen“. Keinen Zauber-, sondern Sicherheitsfußball, zurück zu den Wurzeln. Oder für Poeten: „Die Einfachheit, das ist die Schwierigkeit, und darin liegt auch die Schönheit.“ Das Wort zum (Journalisten-)Feiertag.