Alles paletti beim Team der Stunde?

von Redaktion

Zahlenspiele

Irgendjemand hat es mal ausgerechnet, dass das häufigste Ergebnis im Fußball ein 2:1 ist. Man kann dazu sich selbst einem Test unterziehen. Wenn man Spieltag für Spieltag in der Bundesliga tippen würde – ein 2:1 wäre wohl immer mindestens einmal dabei. Und auch diese Woche geschah es: 2:1 gewann Mönchengladbach in Leverkusen. Bei Bremen – Freiburg hätte es fast hingehauen. Werder führte bis in die Nachspielzeit hinein 2:1 und hatte Überzahl. Dann kam Nils Petersen. Wenn er seinen Tag hat, widerlegt er Gesetzmäßigkeiten.

Das krasseste Ergebnis des 10. Spieltags war nicht mal das 1:5, das der FC Bayern in Frankfurt hinnehmen musste. Vier Tore Unterschied sind immer zu erklären. Jedoch nicht acht. Leipzig – Mainz endete 8:0. Solche Resultate kennt man vielleicht aus der Saisonvorbereitung – wenn der Bundes- auf den Regionallisten trifft.

Meist richtet man als neutraler Beobachter das Augenmerk nicht auf den glanzvollen Sieger, sondern auf das bitter geschlagene Team. Es fand bei besagtem Spiel also mehr eine 0:8-Klatsche als eine 8:0-Gala statt. Man weiß eben: Beim Sieger geht’s weiter wie gehabt, die folgenden Tage etwas beschwingter – wohingegen beim Verlierer mit Einschnitten zu rechnen ist.

Interessanterweise hat sich der Fußball da inzwischen eine Gelassenheit angeeignet. Vorige Woche verlor in der englischen Premier League der auch hier bestens bekannte Ralph Hasenhüttl mit dem FC Southampton 0:9. Der Hamburger SV, als er noch der Bundesliga angehörte, feuerte regelmäßig seine Trainer – aber nie unter dem Eindruck der klarsten Niederlagen, die man gegen den FC Bayern bezog (ein 2:9 war die schlimmste, daheim ging es eher 0:6 aus). Und nun: das 0:8 für Sandro Schwarz, der bei den Mainzer Fans ohnehin umstritten ist. Um ihn toben seit geraumer Zeit die Facebook-Diskussionen; vorgehalten wird Schwarz, dass er schon mit der zweiten Mannschaft abgestiegen war (aus der 3. Liga), ehe er den Job bei der ersten Mannschaft bekam. Schwarz nahm das 0:8 erstaunlich gefasst hin. Sogar der Hauch eines Lächelns huschte über sein Gesicht, als er ankündigte, er werde mit den Spielern erst am nächsten Tag wieder reden. „Ich stelle mich nicht mit dem Mikro in den Gang und mache den Reiseführer“, kündigte er für die Heimfahrt an.

Trainer/Schiedsrichter

Borussia Dortmund war mental stark und brachte dem VfL Wolfsburg die erste Bundesliga-Niederlage der Saison bei. Auch eine ungewöhnliche Pause brachte den BVB nicht aus dem Konzept. In der 30. Minute verletzte sich ein Akteur, der bei normalem Verlauf nicht passt, nicht schießt, niemals gefoult wird und selbst nie hinlangt: der Schiedsrichter. Tobias Welz konnte mit Wadenzerrung nicht weiterspielen. Doch auch Schiris können wechseln. Ringtausch: Martin Thomsen, einer der Assistenten, übernahm die Spielleitung, der vierte Referee, Marcel Pelgrim, wurde Linienrichter – und Welz vom ersten zum vierten Unparteiischen. Bewiesen somit: Auch verletzt kann man seine Aufgabe erfüllen, die Trainer im Zaum zu halten.

Zumal, wenn einer von ihnen ebenfalls angeschlagen ist: Lucien Favre hatte sich – als wäre er noch Spieler – einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zugezogen. Es geschah am Mittwoch, als im Pokal Mönchengladbach besiegt wurde. Beim Jubelsprung. Favre räumte aber ein, schon leicht vorgeschädigt ins Spiel gegangen zu sein. Der Schmerz kam am Samstag wieder. Der Schweizer vergaß, dass er keine ruckartigen Bewegungen machen soll. Doch wie daran denken, wenn man befreiend 3:0 gewinnt? Favre lachte, es war auch sein 62. Geburtstag. Ein Alter, in dem ehemalige Fußballer zu Gebrechlichkeitsscherzen auf eigene Kosten bereit sind.

TSG Hoffenheim

Ein Gesetz der Bundesliga lautet: Mannschaften, die dem FC Bayern ein Schnippchen schlagen, büßen schon beim nächsten Spiel dafür, bezahlen den Kraftakt mit (einer) Niederlage(n). Die TSG 1899 Hoffenheim widerlegt das: Der 2:1-Sensation in München ließ sie ein 2:0 gegen Schalke, ein 3:2 bei Hertha, ein 2:0 in Duisburg (Pokal) und ein 3:0 gegen Paderborn folgen. Toll. Und dennoch: Verstimmung. Den Fans war es zu sehr Verwaltungsakt, was die TSG nach 26 Minuten und drei Toren spielte, Das Volk pfiff. „Die sollen am besten zu Hause bleiben oder ins Theater gehen“, schlug Abwehrspieler Kevin Vogt vor. „Die Pfiffe sagen mehr über die Leute als über unsere Spielweise.“ Clubchef Dietmar Hopp ereiferte sich: „Das sind keine Hoffenheim-Fans.“ Der Kraichgau als Krachgau. GÜNTER KLEIN

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