Frankfurt – Eigentlich stellt sich die Abwehr des FC Bayern nach der Roten Karte von Jerome Boateng für das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund von selbst auf. Eigentlich. Denn: Am Samstag stehen nur zwei gelernte Innenverteidiger auf dem Spielberichtsbogen – Benjamin Pavard und Abwehr-Juwel Lars Lukas Mai. Dass Trainer Niko Kovac, bis zu seiner Entlassung an diesem Wochenende, allerdings keine große Lust verspürte, Mai Bundesliga-Luft schnuppern zu lassen, wurde in Frankfurt deutlich. Da stellte er lieber David Alaba neben Boateng in die Innenverteidigung, ließ Alphonso Davies als linken Verteidiger spielen und zog Pavard nach rechts, damit Joshua Kimmich wieder als Sechser im Mittelfeld auflaufen konnte. Das Abwehr-Experiment scheiterte gnadenlos – nicht nur wegen des Platzverweises von Boateng.
„Mit Kimmich rechts, Alaba links, Pavard und Boateng in der Innenverteidigung hätte man eine eingespielte Viererkette gehabt, in der jeder seine Position gespielt hätte“, sagte Lothar Matthäus. Und so stellt sich die Frage, wie Kovac’ Nachfolger das Abwehrrätsel für das BVB-Spiel zu lösen gedenkt: Stellt er Javi Martinez in die Innenverteidigung? Aber wer sichert dann auf der Doppelsechs ab? Oder spielt Kimmich wieder auf der Sechs? Und müsste dann nicht Pavard Rechtsverteidiger spielen? Wäre dann doch Platz für Mai?
Mai ist seit den Verletzungen von Niklas Süle (Kreuzband) und Lucas Hernandez (Fuß) in jedem Profi-Training dabei – nur Spielzeit hat er bisher nicht bekommen. Darum reiste der Innenverteidiger am Samstag von Frankfurt 400 Kilometer weiter nach Meppen, um in der 3. Liga Spielpraxis zu sammeln. Ein Risiko, wenn man die Personallage in der Innenverteidigung bedenkt. Man stelle sich vor, auch Mai würde sich verletzen. Darum dürften die Verantwortlichen gestern wohl zusammengezuckt sein, als ein Gegenspieler ihm nach drei Minuten auf den Fuß trat. Mai ging zu Boden, konnte aber weiterspielen. Am Ende verloren die kleinen Bayern 3:5 – aber Mai hatte wenigstens mal wieder 90 Minuten Spielzeit. bok