Leverkusen – Matthias Ginter genoss den Moment. Der Weltmeister von 2014 zeigte nach seinem erfolgreichen Comeback stolz die Schulterbandage, die sein lädiertes Körperteil nach vierwöchiger Verletzungspause schützen und stabilisieren sollte. Das schwarze Klebeverband stand sinnbildlich für die kämpferische Einstellung, mit der Borussia Mönchengladbach das 2:1 (2:1) im rheinischen Derby bei Bayer Leverkusen über die Ziellinie gebracht hatte. „Die Mannschaft hat einmal mehr eine großartige Mentalität an den Tag gelegt“, schwärmte Sportdirektor Max Eberl von seinem Team. Ginter stimmte zu: „Es macht Spaß, in einer Mannschaft mit solchen Charakteren zu spielen, in der jeder für jeden da ist und wir so auch wichtige Ausfälle kompensieren können.“
Dazu kommt eine gnadenlose Effektivität gegen die in allen relevanten statistischen Werten klar besseren Hausherren. Oscar Wendt (18.) und Marcus Thuram (42.), der in Abwesenheit der verletzten Breel Embolo und Alassane Plea im Angriff den Alleinunterhalter spielt, hatten den Fohlen am zehnten Spieltagen die Spitzenposition gefestigt. Drei Punkte Vorsprung lassen die Fans bereits vom insgesamt sechsten und ersten Meistertitel seit 1977 träumen, das Wort Meisterschaft ist bei Spielern und Verantwortlichen aber nach wie vor tabu.
„Bei uns träumt keiner in der Kabine vom Titel oder plant schon die Meisterfeier“, versicherte Ginter, „wenn wir im Februar oder März immer noch oben stehen, können wir uns noch mal darüber unterhalten.“ Mit dem Status quo können sich die Erben von Günter Netzer, Jupp Heynckes und Berti Vogts aber anfreunden. „Wir freuen uns über die Tabellenführung und wollen weiter jedes Spiel gewinnen“, sagte Trainer Marco Rose, der bereits an die kommende Aufgabe am Donnerstag in der Europa League gegen die AS Rom dachte. „Wenn es da nicht klappt, gibt es wieder Gegenwind“, sagte der hochgelobte Coach angesichts der Schnelllebigkeit in diesem Geschäft. sid