Retter aus den eigenen Reihen

von Redaktion

Nach dem Kovac-Aus wählen die Bayern die naheliegende Zwischenlösung: Hansi Flick

VON MANUEL BONKE

Frankfurt/München – Als der Trainerstuhl von Niko Kovac im vergangenen Herbst 2018 schon einmal wackelte, gab es interessante Überlegungen an der Säbener Straße: Hätte man sich damals von ihm getrennt, hätte ein Weltmeister den Feuerwehrmann spielen sollen: Miroslav Klose. Der aktuelle U17-Trainer der Bayern wäre zumindest interimsmäßig für die Profis verantwortlich gewesen. Weil Klose allerdings nur die A-Lizenz besitzt, hätte man ihm den Fußballlehrer Peter Hermann zur Seite gesetzt. Soweit kam es bekanntlich nicht, doch im Fall der Fälle hätte der Rekordmeister auf eine Kovac-Entlassung reagieren können.

Das kann der Club auch im Herbst 2019 nach dem tatsächlichen Rauswurf von Niko Kovac – und das liegt an Hansi Flick. Bei der Blamage in Frankfurt war Flick – zumindest von der Pressetribüne aus beobachtet – schon mehr Chefcoach als Kovac. Während der Kroate mit jedem Gegentor mehr und mehr versteinert in der rechten oberen Ecke seiner Coachingzone stand, feuerte sein Co-Trainer die Spieler an, diskutierte mit dem vierten Offiziellen und unterbreitete Kovac Taktik-Vorschläge. Wer den früheren Assistenten von Joachim Löw kennt, weiß: Dieses Auftreten hatte nichts mit einer Bewerbung als Chefcoach zu tun, sondern er wollte seinem in diesem Moment machtlosen Trainer helfen.

Das Bild, das die Mannschaft nach dem 1:5 in Frankfurt hinterließ, war vor allem das eine: Sie braucht neue Impulse von außen. Flick kann diese als Interims-Cheftrainer (mindestens) für die nächsten zwei Spiele zweifelsohne geben. Bei den Spielern ist er äußerst beliebt, intern schwärmt man von seinen taktischen Ideen und seiner Denke, Fußball spielen zu lassen. „Ich habe einfach gemerkt, dass mir die Arbeit mit Spielern, mit jungen Menschen, am meisten Spaß macht. Deswegen war mir eigentlich relativ schnell klar, dass ich wieder auf den Platz möchte“, begründete Flick im Sommer sein Engagement in München.

Zuvor war er sechs Jahre (2008 bis 2014) lang Co-Trainer der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Löw. Gemeinsam feierten sie unter anderem den WM-Sieg 2014, WM-Bronze 2010 und EM-Silber 2008. Nach der Weltmeisterschaft 2014 wechselte er beim DFB auf den Posten des Sportdirektors und verließ den Verband im Januar 2017 auf eigenen Wunsch, um im Sommer als Geschäftsführer in Hoffenheim anzuheuern – allerdings nur für acht Monate.

Jetzt soll er die zerrissene Bayern-Mannschaft wieder zusammenflicken. Nicht ausgeschlossen, dass der Verein ihm Hermann Gerland zur Seite stellt. Der Tiger pflegt ebenfalls einen engen Draht zu den Spielern und genießt auch bei den Bossen ein hohes Ansehen.

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