Am 15. November wird Uli Hoeneß abtreten. „Durch das große Tor“, den FC Bayern im Bestzustand übergeben habend. So sieht er es. Stimmt das auch? Was das Wirtschaftliche betrifft: Absolut. Und auch eine klare Erbfolgeregelung ist getroffen mit Herbert Hainer und Oliver Kahn. So gesehen: Das Haus ist bestellt.
Nur nicht auf der sportlichen Seite. Mit der sollte Uli Hoeneß als Präsident des eingetragenen Vereins eigentlich wenig zu tun haben, sie ist Sache der FC Bayern Aktiengesellschaft – doch weil Hoeneß sich eingemischt und in seinem Jahrzehnte währenden Kampf mit Karl-Heinz Rummenigge zuletzt wieder die Oberhoheit gewonnen hat, ist es auch seine Sache, ob der Club den richtigen Trainer und den zu den Ambitionen passenden Kader hat. Die eine Woche mehr, die der FC Bayern Niko Kovac zunächst noch einräumen wollte, hätte nichts mehr geändert. Im Laufe des Tages verfestigte sich die Einsicht: So oft, wie der Trainer angezweifelt wurde, war er nicht zu halten – und eigentlich nie mehr als eine Lösung, bis man einen besseren gefunden hat. Er war ein Übergangstrainer.
Die Misere begann damit, dass die Bayern glaubten, sie könnten den großen Pep Guardiola mit weichen Faktoren (familiäres Umfeld, persönliche Beziehungen) länger als für die Episode von drei Jahren an sich binden. Ihre Fehleinschätzung, denn mehr als Behaglichkeit schätzt Pep Geld, und mehr als Geld noch mehr Geld. Weg war er. Seit 2016 irrlichtert der FC Bayern vor sich hin. Ancelotti war absehbar keiner, der den Pep-Weg fortführt, Heynckes kam widerwillig, und Kovac war schlicht eine Nummer zu klein für dieses anspruchsvolle Ensemble. Gegen Kritik führten die Bayern als Argument ihre nationale Dominanz an. Doch war die nicht mehr der Mutlosigkeit der Konkurrenz geschuldet? War sie.
Der Fehler von Hoeneß und Rummenigge (und ihrer Marionette Salihamidzic): Sie wollten einen schwachen Trainer stärken, indem sie ihm einen Kader hinstellten, der pflegeleicht ist, aber qualitativ und quantitativ zu dünn, um was zu reißen. Eine fatale Entscheidung.
Guenter.Klein@ovb.net