Die Achterbahnfahrt des Niko Kovac

von Redaktion

In seinen 490 Tagen als Bayern-Trainer hat er Titel gewonnen, aber auch viel Kritik eingesteckt

VON JONAS AUSTERMANN

München – Seit Sonntagabend ist die Zeit von Niko Kovac beim FC Bayern abgelaufen – nach 490 Tagen und 45 Siegen in 65 Spielen. Sein Punkteschnitt (2,26 pro Partie) kann sich sehen lassen, letztlich kostete der spielerische Rückschritt den Kroaten aber seinen Job. Kovac, 48, und die Bayern – eine Beziehung wie eine Achterbahnfahrt.

13. April 2018: Der FC Bayern teilt mit, dass der Trainer Niko Kovac einen Vertrag bis 2021 unterschrieben hat, gültig ab dem 1. Juli. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagt: „Wir sind überzeugt, dass er der richtige Trainer für die Zukunft des FC Bayern ist.“ Neben Niko kommt als Co-Trainer auch Bruder Robert von Eintracht Frankfurt.

19. Mai 2018: Mit den Frankfurtern gewinnt Kovac seinen ersten Titel als Trainer in Deutschland. Im Pokalfinale besiegt die Eintracht ausgerechnet den FC Bayern mit 3:1.

2. Juli 2018: Kovac wird als Trainer der Bayern vorgestellt und sagt: „Ich arbeite gerne, gehe voran, lebe vieles vor.“

12. August 2018: Erstes Titelchen für Kovac in München. Im Supercup feiert er mit den Bayern einen Kantersieg (5:0) bei Ex-Club Frankfurt.

22. September 2018: Kovacs Münchner gewinnen die ersten vier Liga-Partien, dazu im Pokal und in der Champions League. Der damalige Schalker Sportvorstand Christian Heidel sagt: „Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Bayern überhaupt mal ein Spiel verlieren.“

6. Oktober 2018: Nach Heidels Aussage bleiben die Bayern vier Spiele ohne Sieg – negativer Höhepunkt ist die 0:3-Heimpleite gegen Gladbach.

3. November 2018: Beim 1:1 gegen Freiburg schimpft Lisa Müller, Ehefrau von Thomas auf Instagram, weil Kovac ihren Gatten spät einwechselt. Zitat: „Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat.“ Zudem plappert ein Maulwurf immer wieder Münchner Kabinen-Geheimnisse aus.

24. November 2018: Die Bayern spielen gegen Aufsteiger Düsseldorf nach 3:1-Führung nur 3:3. Dortmund ist neun Punkte enteilt. Präsident Uli Hoeneß sagt: „Wir müssen beim FC Bayern jetzt alles hinterfragen.“ Kovac aber bleibt.

22. Dezember 2018: Bis zur Winterpause holt Kovac noch sechs Siege und ein Remis – und sitzt wieder sicherer im Sattel.

13. März 2019: K.o. in der Königsklasse. Nach dem 0:0 im Hinspiel unterliegen die Bayern dem späteren Champion Liverpool mit 1:3 und scheidet im Achtelfinale der Champions League aus.

6. April 2019: Der FC Bayern vermöbelt den BVB im Topspiel (5:0), schnappt sich die Tabellenführung. Karl-Heinz Rummenigge vermeidet ein Bekenntnis zu Kovac: „Es gibt keine Job-Garantien beim FC Bayern – für niemanden.“

18. Mai 2019: Kovac und seine Bayern sind nach einem 5:1 gegen Frankfurt Deutscher Meister.

25. Mai 2019: Das Double ist perfekt. Der FC Bayern schlägt Leipzig im Pokalfinale mit 3:0. Kovac bleibt im Amt.

30. Juli 2019: Öffentlicher Rüffel für Kovac. Im Transferpoker um Leroy Sané äußert sich der Bayern-Trainer zuversichtlich, Rummenigge stellt klar: „Mir hat die Aussage nicht gefallen. Wir müssen unseren Job machen, der Trainer seinen.“

28. September 2019: Die Bayern holen in den ersten sieben Spielen fünf Siege, gegen Paderborn (3:2) aber stimmt außer dem Ergebnis nicht viel. Salihamidzic, Kapitän Manuel Neuer und Joshua Kimmich schlagen Alarm.

1. Oktober 2019: Gala in London. Die Münchner fegen Tottenham mit 7:2 vom Platz. Rummenigge schwärmt: „Das war unglaublich. Wir haben etwas Geschichte geschrieben.“

3. November 2019: Einen Tag nach der 1:5-Klatsche bei Eintracht Frankfurt – dem negativen Höhepunkt einer sehr mauen Serie – trennen sich Kovac und der FC Bayern – „im gegenseitigen Einvernehmen“, wie es heißt.

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