Hoeneß vermisst den Mut im TV

von Redaktion

Scheidender Bayern-Präsident will „langweilige Sendungen“ aufmischen

München – Der scheidende Bayern-Präsident Uli Hoeneß vermisst in politischen TV-Talkrunden den Mut zum Klartext. Heutzutage seien das „langweilige Sendungen, weil sich keiner wirklich traut, was zu sagen, weil jeder immer davon abhängig ist, dass er dem nicht auf den Fuß tritt oder jenem nicht“, sagte Hoeneß in der Dokumentation „Der Bayern-Boss: Schlusspfiff für Uli Hoeneß“, die gestern in der ARD ausgestrahlt wurde.

Vor seiner Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung im März 2014 war Hoeneß, 67, in TV-Talkshows zu Gast gewesen und hatte sich auch zu gesellschaftlichen Themen geäußert. „Warum habe ich das gemacht? Weil ich ein durch und durch politischer Mensch bin, der sich für diese Dinge unglaublich interessiert, heute mehr denn je. Aber leider gibt’s nicht mehr die Möglichkeit, sich da richtig zu artikulieren“, sagte er.

Der Vorstandsboss des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, sagte dazu: „Als er so oft aufgetreten ist, habe ich mir gedacht: Ich weiß nicht, ob er sich damit einen Gefallen tut, weil Uli Hoeneß natürlich für die Medien und die Öffentlichkeit eine unglaublich polarisierende Person war.“ Hoeneß will auf der Mitgliederversammlung der Bayern am 15. November nicht mehr als Präsident kandidieren und möchte diesen Posten wie auch den Vorsitz des Aufsichtsrates an den früheren Adidas-Boss Herbert Hainer, 65, abgeben.

Wenn er „ein bisschen Abstand zu allem“ habe, könne er sich „schon vorstellen, mal wieder Gast bei einer politischen Talkrunde zu sein. Als Präsident des FC Bayern hatte ich mir das abgewöhnt, auch wegen meiner Steuersache“, hatte Hoeneß im Vereinsmagazin „51“ gesagt. Gegenüber unserer Zeitung aber kündigte Hoeneß an, bis Ende des Jahres nicht als Gast in eine Talkshow gehen zu wollen.

Über die Zeit rund um seine Verurteilung sagte Hoeneß, dass ihm insbesondere die Phase vor dem Gerichtsverfahren zugesetzt habe. „So verrückt das jetzt klingen mag: Die Zeit im Gefängnis war nicht so schlimm wie die Zeit zwischen der Bekanntgabe der Hausdurchsuchung und dem Prozess“, sagte er. In jenen „eineinhalb oder fast zwei“ Jahren hätten weder er noch seine Familie das Haus verlassen können, „ohne dass ein, zwei, drei, vier, fünf Journalisten, Fotografen, Kameraleute“ da gewesen wären.

Hoeneß war nach einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe 2014 vom Landgericht München II zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Wegen guter Führung wurde er 2016 vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. dpa

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