München – Vor einer Woche gab Kevin Reich nach dem Spiel des EHC München Interviews. Plötzlich stand Maxi Kastner neben den Reportern und hielt dem Teamkollegen interessiert das Smartphone zur Aufnahme vor die Mundpartie. Gag-Klassiker im Mannschaftsleben.
Am Sonntag, vorgestern also, nach dem 1:0 gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven, legte Kastner vor der Presse gerade seine Sicht der Dinge dar – Kevin Reich muss auf diese Situation gelauert haben. Er trug noch halbe Spielkleidung, hatte aber das Handy bereit und nahm Reporterpose ein. Kleine Revanche.
Es herrscht ein lockeres Miteinander beim EHC München. Kastner sagt: „Wir verbinden den Sport mit dem Spaß.“ Und: „Wir haben Charakter in der Mannschaft.“ Das ist zwar eine Floskel in jeder Nichteinzelsportart, doch das Auftreten des EHC lässt daran keinen Zweifel: Es stimmt.
Am 17. Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat der EHC seinen 16. glatten Sieg abgeliefert. Das ist beispiellos in der 25-jährigen Geschichte der Profiliga und passt eigentlich gar nicht in die Zeit, in der die Leistungsunterschiede zwischen den Clubs gar nicht so groß sind und in jedem Spiel alles passieren kann. Ist der EHC, der ja auch seine Verletzungsausfälle hat und dennoch in Serie gewinnt, für die Konkurrenz wirklich nicht mehr zu greifen?
Der Realitätssinn ist den Münchnern nicht abhandengekommen. Sie wissen, dass ihre Siege überwiegend knapp waren: sechs mit einem Tor, vier mit zweien. „Wir haben auch viele Fehler gemacht“, sagt Maxi Kastner zu den „zwei, drei Spielen zuletzt“ vor dem 1:0 gegen Bremerhaven.
Auch Trainer Don Jackson analysiert mit einer gewissen Vorsicht. Er freut sich, „dass diese Saison unser Powerplay funktioniert“, er nimmt wahr, „dass wir in der Verteidigung von dem Moment an besser geworden sind, als wir Bobby Sanguinetti bekommen haben und Yannic Seidenberg von seiner Verletzung zurückgekehrt ist. Wir bewegen den Puck nun viel besser nach vorne.“ Ihm ist allerdings auch nicht entgangen, „dass wir mehr Schüsse zulassen als je zuvor“. Dass der EHC trotzdem die wenigsten Gegentore in der Liga kassiert hat, „spricht für unsere Torhüter“. Danny Aus den Birken und Kevin Reich spielen bislang ohne jeden Wackler.
Ein Spiel hat der EHC verloren: das in Straubing. 1:5. Die beim Münchner Anhang wenig geschätzten Niederbayern (der Hauptfeind noch vor Augsburg) werden in der Mannschaft als wesentlicher Gegenspieler im Kampf um die angestrebte Deutsche Meisterschaft wahrgenommen. „Straubing ist nahe dran“, so Kastner. Die offensive Ausbeute der Tigers ist sogar noch sechs Tore höher als die EHC.
Sage und schreibe 19 Punkte hinter München liegen die Adler Mannheim, die am Sonntag vom Vorletzten Krefeld in der eigenen Arena vorgeführt wurden (3:6).
Den Meister abschreiben? Den Fehler werden sie in München nicht machen. „Mannheim“, findet Maxi Kastner, „hat eine brutale Mannschaft. Wenn man sieht, wer bei denen noch auf der Tribüne sitzt – nach diesen Spielern würden auch wir uns die Finger abschlecken.“