Hannover – Teresa Enke stand am Ende eines ergreifenden Abends auf der Bühne des Theaters am Aegi und schluchzte. Die hochemotionale Diskussion mit Uli Hoeneß zum zehnten Todestag ihres Mannes Robert und der minutenlange Applaus des Publikums in Hannover überwältigten die 43-Jährige, die der „Tragödie“ vom 10. November 2009 seither „einen Sinn geben“ will.
„Ich bin sehr gerührt“, sagte Enke, die mit Standing Ovations gewürdigt wurde. Die Witwe des Nationaltorhüters hatte im Rahmen des eindrucksvollen Enke-Films „Auch Helden haben Depression“ des NDR den Gästen Einblicke in das Leben an der Seite ihres erkrankten „Robbi“ gewährt, dessen Humor sie so liebte. Auch Hoeneß sprach offen über seine hautnahen Berührungen mit der Krankheit im Fall von Sebastian Deisler. Beide sendeten klare Botschaften.
Enke betonte, dass Depressionen heilbar sind: „Er sollte eine Mahnung sein, dass man mehr aufeinander achtet, sensibler miteinander umgeht, dass man mehr in sich rein horcht und sich schneller Hilfe holt.“ Sie berichtete von ihrer Tätigkeit in der Robert-Enke-Stiftung, mit der sie am Vermächtnis ihres Mannes arbeitet. Die Bilder des Filmes und auch die Zusage von Hoeneß zur ausverkauften Veranstaltung bewegten Enke.
„Ich kam eines Abends nach Hause und meine Frau sagte zu mir: ,Den Brief musst du unbedingt lesen’“, erzählte Hoeneß über Teresa Enkes persönliche Einladung. Der Noch-Präsident des FC Bayern las – und es war ihm sofort klar, „dass ich hier herkommen muss“. Auch, weil Hoeneß selbst in Berührung mit Depressionen im Spitzensport gekommen ist – als Bezugsperson von Deisler. Und sich dabei phasenweise „hilflos“ fühlte.
Deisler, Nationalspieler und Profi bei Bayern, suchte in einem Trainingslager in Dubai jeden Abend das Gespräch mit Hoeneß, der ihm einmal sogar ein Bett in seiner Suite anbot. Einen Tag nach der Rückkehr nach München kam Deisler dann in das Büro seines Chefs, der sich Hoffnung machte, dass es dem hochveranlagten Profi nun besser ging. „Dann sagt er: ,Ich möchte aufhören, Fußball zu spielen.’ Das war der Wahnsinn“, sagte Hoeneß.
Der 67-Jährige nutzte die Bühne in Hannover auch, um ein Thema anzusprechen, das ihn beschäftigt. Generell finde er, dass „in unserer Gesellschaft, das gilt nicht nur für den Fußball, relativ respektlos in vielen Bereichen miteinander umgegangen wird“, betonte er: „Das Allerschlimmste finde ich, dass das Internet ein Mittel geworden ist, das katastrophal ist.“ Der Gesetzgeber dürfe hier durchaus aktiver werden.
Trotz bedrückender Bilder und der kritischen Denkanstöße war der schmucke Theatersaal während der rund 90 Minuten andauernden Veranstaltung nicht permanent von einer traurigen Schwere erfüllt. Es gab auch viele heitere Momente in Gedanken an „Rob mit dem kaputten Kopp“, wie sich Robert Enke manchmal scherzhaft nannte. „Es ist schön zu sehen, wenn er lacht“, sagte Teresa Enke: „Es ist nicht nur schrecklich.“ sid