Ein Lauf auf allen Ebenen

von Redaktion

Vater-Vorfreude beflügelt Lewandowski – die unumgängliche OP findet womöglich erst im Winter statt

München – Zwölf Wochen, so sagt man ja, dauert die kritischste Phase einer Schwangerschaft. Und jeder, der rechnen kann, erkennt den Zusammenhang sofort. Am 16. August, also heute vor zwölf Wochen, ist der FC Bayern gegen Hertha BSC in die Saison gestartet. 2:2 endete die Partie, die beiden Treffer für die Münchner erzielte freilich Robert Lewandowski. Damals muss seine Frau Anna frisch schwanger gewesen sein, denn wie man seit dem 2:0 gegen Piräus am Mittwoch weiß, ist sie aktuell im vierten Monat. Die berufliche Bilanz ihres Ehemannes in diesen zwölf Wochen: 21 Treffer in 16 Partien.

Robert Lewandowski musste grinsen, als er auf einen möglichen Zusammenhang zwischen seinem Lauf und der privaten Vater-(Vor-)freude angesprochen wurde. „Wahrscheinlich hat das auch mit meinen Toren zu tun. Ein Kind zu bekommen, ist das Schönste, was im Leben sein kann“, sagte er. Töchterchen Klara ist zwei Jahre alt, der Pole spricht also aus Erfahrung. Sein Glück nun mit der Öffentlichkeit teilen zu können, machte ihn sichtlich froh. Immerhin hatte er sich ja 20 Tore lang zusammenreißen müssen, beim Jubel nicht den Ball unter sein Trikot und den Finger in den Mund zu stecken. Beim 1:0 gegen Piräus konnte er das kleine Familiengeheimnis nun endlich lüften.

„Wir freuen uns, wir wollten ein zweites Kind, deshalb können wir stolz sein“, sagte der 31-Jährige. Anna hatte auf der Tribüne gestrahlt, bestens gestylt, noch kein Bäuchlein in Sicht. Das Jubel-Foto ihres Mannes postete sie umgehend auf Instagram, versehen mit einem Herz und der Unterschrift „Lewandowski-Team“. Im Frühjahr, wohl im April oder Mai, wird die Familie zu viert sein.

Bis dahin stehen rund 28 weitere Wochen an, der Bauch wird wachsen und die Saison Fahrt aufnehmen. Die Bayern hoffen natürlich, dass der Lauf des baldigen Zweifach-Papas anhält. In der „Form seines Lebens“ – das Zitat stammt noch von Ex-Trainer Niko Kovac – war Lewandowski auch gegen Piräus derjenige, der mit dem 1:0 Sicherheit und Ruhe brachte. Er trifft und trifft und trifft. So viel, so gut und so oft, dass er sich in diesem nach wie vor nicht souveränen Team abhebt und seinen Kollegen trotzdem kaum mehr eine Erwähnung wert ist. Die Geschichte – alle schwächeln, Lewandowski schießt Tore – wurde schon zu oft erzählt.

Wie unersetzbar der Nationalspieler ist, zeigt sich auch in der kniffligen Terminierung der Leisten-Operation, der er sich über kurz oder lang unterziehen muss. Lewandowski versicherte zwar am Mittwoch, „keine Schmerzen“ zu haben, die kleine Verletzung „stört mich nicht“. Trotzdem muss er unters Messer. Am Sonntag, also nach dem Topspiel gegen den BVB und vor einer möglichen Abreise zum Nationalteam, wird mit den Ärzten entschieden, wann der Eingriff erfolgen soll. Rund zehn Tage Pause müssen einkalkuliert werden, die Bayern wollen auf Lewandowski aber nicht verzichten. Druck bestehe nicht, auch die Winterpause sei daher „eine Möglichkeit“, sagte er. Ins neue Jahr, das Geburtsjahr seines zweiten Kindes, will er dann komplett gesund starten.  hlr

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