München – Sie ist „nur“ noch die Nummer 79 der Weltrangliste – aber immer noch das fröhlich-sympathische Gesicht des deutschen Damentennis: Andrea Petkovic. Anfang Dezember springt die French-Open-Halbfinalistin von 2014 und ehemalige Nummer 9 der Welt ins kalte TV-Wasser. Die 32-Jährige wird neben Rudi Cerne und Norbert König feste Moderatorin der Sportreportage im ZDF.
Im Interview mit unserer Zeitung erklärt die gebürtige Darmstädterin, wie ihr spektakuläres TV-Engagement zustande kam, ob die Tennisspielerin Andrea Petkovic noch eine Zukunft hat und was sie an der Figur Zlatan Ibrahimovic fasziniert.
Andrea Petkovic als Moderatorin der ZDF-Sportreportage. Wie konnte das passieren?
Ich wurde von Manuel Bienefeld, einem Redakteur der Sportredaktion gefragt, ob ich mir jemals vorstellen könnte, zu moderieren. Sie würden jemanden für die Sportreportage suchen. Das war Ende 2018. Da ich mich erst mal in allen Dingen selbst überschätze, sagte ich für ein Casting zu. Der Rest ist Geschichte. Es brauchte dann aber noch mal ein Jahr, bis alles in trockenen Tüchern war.
Was reizt Sie?
Mir gefällt das Konzept. Ich interessiere mich am meisten für die Geschichten hinter den Resultaten und Erfolgen. Besonders die Geschichten hinter Niederlagen. Wir haben bei der Sportreportage mehr Zeit, diese Geschichten zu erzählen und uns auch auf andere Sportarten neben Fußball zu konzentrieren. Und vielleicht schaffe ich es ja auch, mehr Tennis in die Sendung hineinzuschmuggeln. Nachts, wenn alle Redakteure schlafen (lacht).
Welche Sportler würden Sie gerne interviewen?
Zlatan Ibrahimovic – ganz klar. Uns verbindet einiges. Wir haben beide serbische Wurzeln, sind aber in westlichen Ländern aufgewachsen und haben dort Karriere gemacht. Es würde mich wahnsinnig interessieren, wie er diese beiden Aspekte in sich vereint. Ich glaube außerdem, dass er einen der interessantesten und widersinnigsten Köpfe im Sport hat, in den ich gerne mal hineingucken würde.
Welche Vorteile hat es, dass Sie noch aktive Sportlerin sind?
Ich bin immer noch durch und durch Sportlerin. Ich kann die Euphorie nach Erfolgen und die Enttäuschung nach Niederlagen nicht nur nachvollziehen, sondern Tag für Tag bei mir selbst erleben. Ich hoffe, dass ich dadurch das Innenleben eines Sportlers dem Zuschauer näherbringen kann.
Wie oft werden Sie vor der Kamera zu sehen sein?
Wenn die ersten zwei Sendungen im Dezember gut laufen – wünscht mir Glück –werde ich mich mit den Verantwortlichen des ZDF zusammensetzen und die Einsätze in meinen Turnierplan einbauen. Tennis ist immer noch meine Priorität.
TV-Moderatorin und Weltklasse-Tennisspielerin: Passt das zusammen?
Ich bin jetzt 32 Jahre alt. Ich sage immer: Ich bin jung fürs Leben, aber alt fürs Tennisspielen. (lacht) Ich werde meinen Turnierplan nächstes Jahr deutlich einschränken und meinem Körper mehr Ruhephasen geben, um sich zu erholen. In diese Ruhephasen werde ich meine TV-Auftritte einplanen. Ich habe in diesem Jahr schon einige Sachen neben Tennis angefangen und habe gemerkt wie gut es mir und meinem Geist tut, sich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen.
Bleibt es bei einem kurzen Abstecher?
Ich kann es mir für mich selbst sehr gut vorstellen, weiter im Fernsehen zu arbeiten. Die Frage ist nur, ob ich gut genug bin. Das entscheidet am Ende der Zuschauer. Nur weil jemand gerne Gitarre spielt, heißt das nicht unbedingt, dass er auch besonders gut ist – das sehe ich Tag für Tag bei meinem Papa zu Hause. (lacht)
Wie lauten Ihre sportlichen Ziele für 2020?
Mir macht Tennis mehr Spaß denn je. Nun bin ich in einer Phase meiner Karriere angelangt, in der ich das Privileg habe, aus reiner Liebe zum Sport spielen zu dürfen.
Welche Turniere sind fix?
Die Turniere, die mir am meisten Spaß machen. Und das sind die großen Tennisbühnen dieser Welt. Die Grand-Slam-Turniere und die Herausforderungen gegen die teilweise zehn Jahre jüngeren, unglaublich talentierten besten Tennisspielerinnen der Welt zu spielen. Das gibt mir Ansporn und bereitet mir einfach wahnsinnig viel Freude. Für die eine oder andere Überraschung bin ich mit Sicherheit noch gut.
Von welchen Moderatoren würden Sie sich gerne etwas abschauen?
Ich muss tatsächlich sagen, dass meine beiden Kollegen Rudi Cerne und Norbert König große Inspirationen für mich sind.
Diese Antwort musste jetzt ja kommen. . .
. . .aber es stimmt. Sie sind selbstsicher, entspannt und haben tolle Handgesten vor der Kamera. Das sind Dinge, auf die ich vorher auch nicht so sehr geachtet hatte, aber wenn man dann im Studio steht und sich fragt, was man sonst eigentlich mit seinen Händen macht, fällt einem sowas auf einmal auf.
Wie halten Sie es mit Ihren weiblichen Kolleginnen?
Ich freue mich über jede Frau, die ich im Sport-Fernsehen entdecke. Wie Laura Wontorra oder Kathrin Müller-Hohenstein und Claudia Neumann. Frauen haben es nicht leicht im Sportjournalismus. Deswegen freue ich mich über jede einzelne, die ich sehe und werde sofort zum Fan.
Interview: Daniel Müksch