„Magath – eine sehr lustige Idee“

von Redaktion

Michael Altinger über Comedy bei 1860, Bierofkas Aus und seine Überlebensstrategie als Fan

München – Er steht seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne, wurde 2017 mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet – und ganz nebenbei ist Michael Altinger, 48, auch noch bekennender Fan des TSV 1860. Schon einmal, vor neun Jahren, hat sich der Niederbayer humoristisch seines Vereins angenommen – im Rahmen des legendären Comedyabends „Lachen mit den Löwen“, damals in der Muffathalle. Am kommenden Mittwoch gibt Altinger wieder ein Löwen-Heimspiel – als Stargast des Benefizabends im Almstadl auf dem Vereinsgelände, den die Unternehmer für Sechzig organisiert haben (Beginn: 18.60 Uhr, Eintritt 60 Euro inklusive Verpflegung, Infos zum Ticketverkauf auf unternehmerfuersechzig.de). Wir sprachen mit dem preisgekrönten Kabarettisten, der über seine 60er-Liebe sagt: „Wenn man eine Leidenschaft für den Fußball hat, dann kommen für unsere Zunft nur die Löwen infrage.“

Herr Altinger, nicht nur im Fußball, auch beim Humor kommt es auf das Timing an. Der Comedyabend 2010 fand an einem Novembertag statt – wenige Stunden nachdem auf der Geschäftsstelle die Angestellten einem zehnprozentigen Gehaltsverzicht zustimmen mussten . . .

. . . ja, ich kann mich noch super erinnern, wie die Sissi Perlinger gefragt wurde, was sie 1860 für die Zukunft wünschen würde. Und sie gesagt hat: Ja, weiter wie bisher . . . Da lag die ganze Muffathalle am Boden vor Lachen.

Diesmal dürfte im Hintergrund der Rücktritt von Vereinsikone Daniel Bierofka mitschwingen. Für Sie als Kabarettist ein ungünstiges Timing – oder eher eine Steilvorlage?

Um Gottes willen! Das ist natürlich superungünstig, weil die Stimmung der Leute entsprechend sein wird. Ich weiß nicht, wie viele Fans damit gerechnet haben, dass das passiert – ich gehöre auf keinen Fall dazu. Da muss ich mir noch gut überlegen, wie ich das kabarettistisch verarbeite. Du polarisierst ja mit jeder Stellungnahme – und darauf hab ich wenig Bock. Ich möchte auch in Zukunft noch einigermaßen entspannt ins Stadion gehen.

Wie ist denn Ihre Meinung zum Rückzug Bierofkas, auch vor dem Hintergrund der Mobbing-Vorwürfe, die Investor Hasan Ismaik geäußert hat?

In erster Linie bin ich erstaunt. Wenn ich auf der Vereins-Homepage die ganzen Stellungnahmen der Verantwortlichen lese, dann fragt man sich: Was hat er denn, der Bierofka? So positiv, ja fast überschwänglich, wie sich da alle äußern – da hätte er auch bleiben können. Ansonsten habe ich viel zu wenig Ahnung, was intern los ist. Ich werde mich hüten, mich da zu positionieren.

Muss man da als scharfzüngiger Beobachter nicht sogar an das Thema ran?

Ich werde halt generell auf die Sechzger-Seele losgehen. Witze macht man immer dann, wenn eine Sache konkret ist. Bei 1860 ist die Lage momentan leider sehr diffus.

Der Reinerlös der Veranstaltung geht an das NLZ, für das sich die „Unternehmer für Sechzig“ finanziell engagieren. Hoffen Sie, durch Ihren Auftritt einen Beitrag zu leisten für eine schlagkräftige Löwen-Generation 2025/26?

Das hoffe ich sehr. Allerdings: Auch diese Sache birgt Zündstoff. Die Unternehmer gehören ja zur e.V.-Seite und ich bin gespannt, ob das dann wieder Ärger von der anderen Seite gibt . . . Ich hoffe, dass man in diesem Fall Milde walten lässt, denn es sollten sich eigentlich alle einig sein, dass es sich lohnt, den Nachwuchs, das Steckenpferd des Vereins, zu unterstützen.

Es werden ja schon etliche Namen für die Bierofka-Nachfolge gehandelt: Tomas Oral, Jens Keller, sogar Felix Magath. Haben Sie einen Favoriten?

(lacht laut). Magath ist ja eine Idee vom Karsten Wettberg, der ein alter Spezl von mir ist. Sehr lustig von ihm, da einen auszugraben, der Erfahrung hat und vielleicht auch mit dem größten Chaos umgehen kann. Ich kann mir nur beileibe nicht vorstellen, dass der Magath sich das antut.

Sie sind ja selber auch seit 2012 Vereinsmitglied. Wenn sich Jan Böhmermann für den SPD-Vorsitz bewirbt, warum kandidieren Sie dann nicht für das Präsidentenamt?

Ich würd’s sofort machen, aber ich hab ja leider keine Zeit, weil ich ständig auf Tour bin – gerade an den Wochenenden. (schmunzelt)

Was würden Sie anders machen als die letzten Verantwortlichen?

Ich bin ja Sozialpädagoge – und ein Freund der Methode einer Supervision. Ich würde schauen, dass ich einen Schiedsrichter finde. Eine neutrale Person, einen gescheiten Kopf, der nichts mit den einzelnen Fronten zu tun hat – aber wahrscheinlich würde es genau daran scheitern. Es muss eine externe Instanz her. Von innen scheint nichts mehr zu lösen zu sein.

Wie würden Sie das Thema Ismaik anpacken?

Ja mei. Die einzige Lösung wäre, dass er seine Anteile vielleicht doch mal verkauft.

Ein dankbares Thema für Kabarettisten ist auch das spezielle Umfeld bei 1860, wo zwei Fanlager, diverse Blogger, Meister- und Ex-Löwen täglich tausende von Meinungsbeiträgen produzieren. Schauen Sie da heimlich rein, auch um Stoff zu sammeln?

Ich schau’s mir schon an – und bin auch mal in ein Interview reingelaufen, wo ich unfreiwillig eine Schlagzeile produziert habe. Da stand dann, ich hätte was gegen den Präsidenten. Das tat mir hinterher sehr leid. Ich hab das dann mit dem Reisinger geklärt, aber grundsätzlich mag ich so was gar nicht,

Das Schicksal, Löwen-Fan zu sein, ist meist vererbt, teilweise aber auch selbst gewählt. Lässt es sich besser ertragen, wenn man sich dem Verein über die Humorschiene nähert?

Der Sechzger-Fan kann nur so überleben. Wenn wir vor den Spielen beim „Schau ma moi“ stehen, müssen wir alle blöd daherreden. Weil sonst ist es ja nicht zum Aushalten.

Und was wäre Ihr Rat an Daniel Bierofka?

Mein Rat wäre, dass er macht, was er angekündigt hat. Dass er Energie sammelt, im Kreis der Familie zu sich kommt – und dass er dann die offene Tür wahrnimmt, die ihm alle öffentlich angeboten haben. Biero soll unbedingt zurückkommen, sobald sich alles beruhigt hat, denn von solchen Identifikationsfiguren lebt jeder Verein. Es ist für alle Fans ein Schlag, wenn so jemand geht. Deswegen bin ich auch sehr gespannt auf das nächste Heimspiel – und auf die nächste Versammlung.

Interview: Uli Kellner

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