Krefeld – Es ist ein schönes Lied, ein Welthit, jedem bekannt: „Ka-lin-ka, ka-lin-ka.“ Sofort kann man es einem Land zuordnen: Russland. „Ka-lin-ka“ läuft bei internationalen Eishockey-Turnieren als Torjingle, wenn Team Rossija getroffen hat. Die Gegner mögen das eingängige Volkslied daher nicht so sehr. Denn wenn die Russen gut drauf sind, klingen der Konkurrenz die Ohren.
Die Gefahr droht immer, die deutsche Nationalmannschaft sah sich ihr am Donnerstagabend zum Start in ihr Hausturnier um den Deutschland Cup in Krefeld vor allem im ersten Drittel ausgesetzt, als ihr die Russen um die Ohren fuhren, doch sie schaffte es, nach drei Kalinka-Einspielungen die Stopptaste zu drücken. Sie gewann 4:3 (1:2, 2:1, 1:0). Höchst respektabel. Deutsche Siege gegen Russland sind im Eishockey noch immer etwas Außergewöhnliches.
Zwei gemeinsame Übungstage hatten Bundestrainer Toni Söderholm bei seinem ersten Turnier in Deutschland – den Cup 2018 hatte noch als Abschiedsvorstellung Marco Sturm bestritten – genügen müssen, um eine Chemie für seine Reihen zu finden. Er schaute, wer sich von (früheren) Vereinsstationen oder den U-Nationalteams kannte. Von den drei im Aufgebot stehenden Münchnern waren gestern zwei dabei, Maxi Kastner musste auf ungewohnter Centerposition und mit Ausweichrückennummer (7 statt der 93, die schon besetzt war) zwischen dem Düsseldorfer Maxi Kammerer und dem Kölner Freddy Tiffels agieren, Maxi Daubner fand sich in einem Sturm mit Sven Ziegler und Tim Brunnhuber von den Straubing Tigers wieder, dem einzigen Bezwinger des Tabellenführers München in dieser Saison. Andy Eder ist derzeit ein halber Münchner, bis (vorerst) Ende November ausgeliehen an Nürnberg, er lief neben dem gerade vereinslosen Felix Schütz und Sebastian Uvira (Köln) auf.
Man sieht schon: Lauter bunte Mischungen. erschwerte Umstände. Dafür funktionierte die deutsche Mannschaft vor 3625 Zuschauern ganz gut. Im ersten Drittel hatte sie zwar massive Schwierigkeiten, wenn die Russen, alle jung, schnell, exzellente Schlittschuhläufer, dem Spiel ein Höllentempo aufzwangen, doch sie geriet nie ganz aus der Spur, blieb dran, glich das 0:1 durch den Krefelder Lokalhelden Daniel Pietta aus (13.) und das 1:2 durch den Augsburger Schlagschuss-Spezialisten Simon Sezemsky (23.). Und durch Kammerer war ihr sogar die 3:2-Führung vergönnt (35.). Der bedingungslose Elan der Russen aus dem ersten Drittel war im zweiten verflogen.
Mit einer Rarität verbunden war das 3:3 durch den russischen Abwehrriesen Artjom Wolkow. Der Puck rauschte über die Fanghand des deutschen Torhüters Mathias Niederberger, die Cracks der Sbornaja jubelten – doch die Scheibe war nicht im Netz, sondern ans Plexiglas über der Bande geknallt. Die Schiedsrichter schauten sich die Szene im Video in Zeitlupe an – und selbst da war der Schuss noch gewaltig. Die Auflösung: Er hatte das Netz durchschlagen (oder ein bislang unentdecktes Loch gefunden). Ein reguläres Tor.
Im letzten Durchgang ein forsches Rauf und Runter. Am einen Ende des Feldes die Riesenchance für Kammerer, am anderen kurz darauf die Parade von Tormann Niederberger. Auch Kastner hatte den deutschen Siegtreffer auf dem Schläger (53.), er gelang dann aber Felix Schütz (54.), dem auf Jobsuche Befindlichen. der den Schläger in einen Schuss des Kollegen Bittner hielt. Er hat nun was für die Bewerbungsunterlagen.
Nächstes deutsches Spiel: am Samstag gegen die Schweiz, die in ihrem Auftaktmatch die Slowakei 5:2 bezwang.