Wenger will – Bayern nicht

von Redaktion

Trainersuche-Tendenz: Flick bleibt bis Sommer

VON MANUEL BONKE

München – Arsene Wengers Auftritt im katarischen Fernsehen glich fast einer Initiativ-Bewerbung für den Cheftrainer-Posten beim FC Bayern. „Was ich an ihnen bewundere, ist, dass sie immer nach vorne spielen, immer den Ball haben, immer das Spiel dominieren wollen. Ihre Geschichte des Clubs ist es, attraktiven Fußball zu spielen“, sagte der frühere Teammanager des FC Arsenal zum Beispiel. Oder zu möglichen Verhandlungen: „Ich habe mich nie geweigert, mit Bayern zu sprechen, weil ich die Leute, die diesen Club führen, seit 30 Jahren kenne. Ich war kurz davor, zu Bayern zu gehen vor langer, langer Zeit.“

Die Bewerbung blieb allerdings erfolglos: Dass er in München übernimmt, ist ausgeschlossen, wie der Verein gestern Abend bestätigte. Die aktuelle Tendenz: Bayern macht mit Interimstrainer Hansi Flick bis zum Sommer weiter. Im Club schätzt man bereits nach wenigen Tagen als Cheftrainer, wie Flick mit den Spielern umgeht und welche Idee vom Fußball er ihnen vermittelt. Dem Vernehmen nach wird ein neuer Trainer daher erst im Sommer 2020 installiert.

Nicht umsonst sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem 2:0-Sieg gegen Piräus: „Wir haben gesagt, wir lassen uns da überhaupt nicht unter Druck setzen, wir werden in Ruhe eine Entscheidung treffen, und Hansi ist in diesem Moment der richtige Trainer für uns, er hat es in den letzten Tagen wirklich sehr konzentriert, fokussiert, selbstbewusst gemacht. Er hat viel mit der Mannschaft gesprochen. Er ist bis auf Weiteres Trainer, alles andere werden wir sehen.“

Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass die Trainersuche hinter den Kulissen nicht schon auf Hochtouren läuft. Bereits am Tag der einvernehmlichen Trennung von Niko Kovac hatte Präsident Uli Hoeneß gegenüber Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Salihamidzic angekündigt, sich nicht aktiv an der Trainersuche zu beteiligen. Das bestätigte „Brazzo“ am Mittwochabend: „Uli hat uns beiden die Aufgabe übergeben, wir werden gemeinsam entscheiden, aber dem Aufsichtsrat das dann vorlegen. Karl-Heinz Rummenigge und ich haben die Aufgabe, einen Trainer zu finden.“

Die alles entscheidende Frage: Was für einen Trainer-Typ suchen die Münchner? Ein grobes Profil wurde bereits erstellt, ein entscheidender Punkt: Es wird erwartet, dass der neue Übungsleiter sich stark mit der Philosophie des Ballbesitzfußballs identifiziert. Mit einer klaren Idee soll das bayerische Spiel nicht mehr ausschließlich von den Ausnahmefähigkeiten einzelner Spieler wie Robert Lewandowski oder Serge Gnabry abhängig sein. „Der Trainer muss zur Mannschaft passen“, sagte Salihamidzic daher, als er nach dem Anforderungsprofil des neuen Mannes gefragt wurde. Im ersten Moment wurde der Sportdirektor für diese Antwort belächelt – dabei verrät sie so viel: Die Bayern-Macher sehnen sich nach einem Coach, der wieder eine Ära mit spielerischem Glanz in München prägt. Kandidaten dafür sind auf dem Trainermarkt rar gesät und bei anderen Clubs unter Vertrag: Thomas Tuchel (Paris) und Erik ten Hag (Amsterdam).

Und nicht: Arsene Wenger.

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