Bayerns Trainersuche

Wer kennt den, der alles kann?

von Redaktion

HANNA RAIF

Geht es nach Hasan Salihamidzic, hört es sich eigentlich ganz einfach an. Denn der Sportdirektor beschrieb das Anforderungsprofil des zu findenden Bayern-Trainers am Mittwochabend mit fünf simplen Worten. „Er muss zur Mannschaft passen“, sagte er und blickte in mehrere Dutzend fragende Journalisten-Gesichter. Es kam kein Zusatz, kein weiteres Einstellungskriterium, nur auf weitere Nachfragen (deutschsprachig? Sofort verfügbar? Alt? Jung?) noch einmal der Satz: „Er muss zur Mannschaft passen.“ Punkt. Aus. Es hätte gepasst, hätte „Brazzo“ in diesem Moment auch noch den Daumen gehoben.

Man darf es den Verantwortlichen des FC Bayern nicht vorwerfen, dass sie sich branchenüblich darauf verständigt haben, weder Gerüchte zu kommentieren noch eine Stellenbeschreibung zu benennen. Man hat diese Fehler oft genug gemacht, zuletzt vor eineinhalb Jahren, als Jupp Heynckes nach dem Aus von Carlo Ancelotti einsprang und den Bossen – seinen Freunden – die nötige Zeit für die Suche verschaffte. Sie hatten es sich selbst zur Aufgabe gemacht, einen deutschsprachigen Coach zu verpflichten. Dieses Kriterium wiederum war Voraussetzung, weil Sprachbarrieren die Arbeit unter Pep Guardiola und vor allem Carlo Ancelotti erschwert hatten. Niko Kovac wurde damals als der Richtige präsentiert. Das Ende der (Leidens-)Geschichte ist bekannt.

Die Auswahl des Neuen also, desjenigen, der bald oder womöglich auch nicht ganz so bald auf Hansi Flick folgen wird, soll öffentlich nicht eingegrenzt werden können. Es gibt Namen wie Arsene Wenger, der als „Elder Statesman“ sofort einspringen könnte, Autorität und Erfahrung im Umgang mit Stars mitbringt. Die Sofort-Lösung aber ist nicht das, was man sucht und braucht.

Am besten soll es ein Mann mittleren Alters sein, der Erfolge vorzuweisen, aber Hunger nach mehr hat. Einer mit Spielidee. Einer, der die hoch bezahlten Kicker auf dem Rasen bei Laune halten kann, ohne sich selbst verbiegen zu müssen. Einer, der den längst überfälligen Umbruch nun wirklich moderieren, womöglich sogar prägen kann. Einer mit Gefühl und Geschick im Umgang mit jungen Talenten. Einer, der im Sinne der Bosse agiert. Einer, der das stressige Münchner Umfeld nicht scheut. Einer, der bald verfügbar ist. Vielleicht sogar Stallgeruch hat. Und das Wichtigste: dazu auch noch Erfolg garantiert.

Um genau zu sein: Diesen einen kann es nicht geben. Es gilt also, bis zum Sommer denjenigen zu finden, der die meisten Kriterien erfüllt. Namen wie Thomas Tuchel oder Erik ten Hag sind logisch. Aber das war Kovac einst auch.

hanna.raif@ovb.net

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