München – Wenn am Sonntag die zwei großen Bs, der FC Bayern und Alba Berlin, im Audi Dome (15 Uhr/ Sport1) aufeinandertreffen, rückt ein drittes „B“ in den Fokus: Belastung. Zwischen der Euroleague-Niederlage des FCBB im Hexenkessel von Istanbul am Freitagabend (90:82) und dem Kracher gegen Berlin liegen gerade einmal 42 Stunden. Beim Wiedersehen mit Derrick Williams (19 Punkte) zeigten die Münchner über drei Viertel eine konzentrierte Leistung samt einer starken Defensive.
Im Schlussviertel zeigten die Türken dann aber ihre ganze Klasse, konnten sich erstmals entscheidend absetzen und ließen nichts mehr anbrennen. Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht, am Sonntag kommt Alba Berlin.
„Eigentlich müssten die Sportler am übernächsten Tag wieder bei 100 Prozent sein. Beim Basketball sind die Belastungszeiten weniger als beispielsweise beim Fußball, es sind Belastungsintervalle“, sagt der Sportmediziner Dr. med. Karlheinz Zeilberger. Jedoch reist die Truppe von Coach Dejan Radonjic am Samstag erst zurück – ein ganzer Tag Regeneration liegt somit nicht zwischen den Duellen. Zudem betont Zeilberger, dass beim Basketball „die Konzentration und Anspannung höher“ sei im Vergleich zu anderen Sportarten. Als die Münchner das letzte Mal sowohl Freitag als auch Sonntag spielten, machte sich das bemerkbar: freitags der überzeugende Sieg gegen Real Madrid, 48 Stunden später dann die deutliche Klatsche (60:93) in Vitoria. „Der Gegner hatte über 40 Minuten mit viel mehr Energie gespielt, sehr physisch“, sagte Radonjic nach der bitteren Niederlage gegen den Außenseiter.
Energie, die den Münchnern fehlte. Die Berliner absolvieren ihren internationalen Einsatz bereits am Donnerstag in Tel Aviv, haben somit einen Tag mehr Pause. Für Kapitän Danilo Barthel ist das jedoch kein entscheidender Faktor: „Natürlich ist das in so einem eng getakteten Kalender hilfreich, aber das dürfen wir nicht als Ausrede oder Vorwand anbringen.“ 34 Spiele in der Euroleague, dazu 32 Partien in der Bundesliga.
Hinzu kommen dann noch mögliche Playoffs in beiden Wettbewerben. Auch wenn sich die Münchner durch das Pokal-Aus gegen Bonn weitere Termine unabsichtlich erspart haben, ist der Kalender wieder vollgepackt. Bei den vielen Spielen ist die Partie gegen Alba Berlin sicherlich eine, die herausragt. Bereits zum 50. Mal findet der deutsche Basketball-Klassiker statt. Beide Mannschaften sind ungeschlagen in die BBL-Saison gestartet, es geht somit auch um die Tabellenspitze. Ob Luke Sikma, der Litauer Rokas Giedraitis oder auch der deutsche Kapitän Niels Giffey – die Hauptstädter haben wieder einmal einen starken und tiefen Kader. Zudem werden sie mit Aito Garcia Reneses von einer Trainer-Legende betreut.
Ob der Euroleague-Abend in Istanbul den Münchnern noch in den Knochen hängt, wird sich erst nach den 40 Minuten zeigen. Aber eines ist sicher: Gegen ein Topteam wie Alba Berlin muss man von Anfang an hellwach sein. nms