„An Sonntagen werde ich sauer“

von Redaktion

Felix Schütz, Siegtorschütze gegen Russland, ist wieder auf der Suche nach neuen Zielen

VON GÜNTER KLEIN

Krefeld – Schon wieder also: Deutschland gegen Russland ein Tor vorne, doch dann gibt es am Ende eine Strafzeit, der Gegner nimmt seinen Torwart vom Eis und drängt auf den Ausgleich. Wie 2018 im Olympia-Finale von Pyeongchang. Damals drehte der Favorit Russland das Spiel noch, diesmal, beim Deutschland-Cup in Krefeld, hielt die deutsche Mannschaft dem Ansturm stand. Sie gewann 4:3, und es passte, dass Felix Schütz das Tor geschossen hatte, das der Siegtreffer sein sollte. Schütz ist im Kader einer der wenigen, die noch übrig sind aus dem Silber-Team. Und für ihn war es sogar ein direkter Anschluss: Das letzte Länderspiel, das er vor dem Auftakt des Deutschland-Cups 2019 gemacht hatte, war das olympische Endspiel 2018.

Nach dem Olympia-Turnier fühlte er sich im Kopf leer, benötigte eine Pause, sagte für die WM 2018 ab. In der Saison 2018/19 konzentrierte er sich auf seinen Job bei den Kölner Haien. In den Playoffs verletzte er sich am Kreuzband, der Vertrag lief aus, Köln wollte die Mannschaft komplett umbauen. Wenigstens fiel die Reha-Zeit dann in den Sommer. Schütz ging heim nach Erding, schaute, dass er gesund wurde und ließ die Dinge auf sich zukommen. Er ist jetzt 32, im Nationalteam, wie es in Krefeld auflief, der Senior. „Wahrscheinlich wirke ich so alt, weil die anderen so jung sind“, sagte er.

Dass die Saison 2019/20 losging und er keinen Vertrag hatte, beunruhigte ihn nicht. Er wartete einfach. Es meldeten sich die Straubing Tigers, sie fragten, ob er sich vorstellen könne, für sie zu spielen. Schütz ging nach Straubing – er war dabei ehrlich genug, um zu sagen: nur zum Trainieren.

Ihn zieht es in die Ferne, das war immer schon so bei ihm. Mit 18: Kanada, Juniorenliga. Dann Portland, USA, American Hockey League. 2013 das ganz große Abenteuer: Wladiwostok, äußerster Osten Russlands, zwischendurch ein Spiel für den EHC München, dann nochmals Wladiwostok, Omsk, Riga, Nischnij Nowgorod, schließlich Rögle in Schweden.

Schütz sagt: „Es spricht nichts dagegen, in der DEL zu spielen. Meine Frau und meine Mutter fragen mich das auch öfter, ob ich nicht einfach mal wo ein paar Jahre bleiben kann.“ Was er ihnen antwortet (und was sie natürlich schon wissen): dass er diese Unruhe in sich trägt. Er ist nicht so wie die meisten, „die sich auf den Sonntag freuen, weil sie frei haben und mit der Familie was unternehmen können. Ich bin am Sonntag sauer, dass die Geschäfte geschlossen sind. Und so wird es mir halt langweilig, wenn ich an einem Ort ein, zwei Jahre gewesen bin“.

In den vergangenen drei Wochen hatte er einen Verein: den in die erste schwedische Liga aufgestiegenen IK Oskarshamm. Die sechs Spiele, die er dort absolvierte, waren die ersten nach der Kreuzbandverletzung. Offiziell ist er wieder ein vereinsloser Spieler, das Arbeitsverhältnis ist derzeit beendet. Möglich, dass es wieder aufgenommen wird: „Ich wollte nur einen Vertrag über drei Wochen. Mir war es wichtig, zu sehen, wie das Team drauf ist. Und der Verein wollte abwarten, ob mit dem Knie alles in Ordnung ist.“

Die Vorsicht, die von ihm ausging, begründet Felix Schütz so: „Oskarshamm ist Aufsteiger. In Schweden kann man, anders als in der DEL, absteigen. Eine Abstiegsrunde habe ich einmal gespielt, das war das Schwerste, was ich in meiner Karriere erlebt habe. Plötzlich geht es um Existenzen.“ Nicht vorrangig um die eigene, ein Spieler kann weiterziehen, die Angestellten in der Verwaltung eines Clubs nicht.

Die Lage rund um Schütz ist nun: „Die Schweden haben großes Interesse an mir, doch in den vergangenen Tagen haben sich auch zwei, drei DEL-Clubs gemeldet. Bei ein, zwei war ich überrascht.“ Präferenz bleibt das hochwertige Ausland: „Ich will mich mit den Besten messen. Schweden ist eine der schwersten Ligen. Und ich schaue mir gerne die Welt an.“

Er hatte im Spiel gegen Russland „schwere Beine“, aber nur am Anfang. Dann ging es, er ist fit. Bundestrainer Toni Söderholm sagt: „Wäre ich DEL-Manager – ich würde Felix verpflichten.“

Artikel 5 von 11