Beer an der Linie, Bierofka in den Köpfen

von Redaktion

Der Co-Trainer tritt Gerüchten entgegen und will mit 1860 die Werte des „Ex“ weiterleben

VON ULI KELLNER

München – Pressekonferenz Nummer eins nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka – und alle Welt (in diesem Fall: fünf schreibende Reporter plus BR) wartet darauf, Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. Bierofka selbst hat ja für sich entschieden, in absehbarer Zeit kein enthüllendes Interview zu geben („Ich habe abgeschlossen.“). Doch nun sitzt Oliver Beer auf dem Podium, sein langjähriger Co-Trainer. Keiner weiß besser, was in der Kabine los ist. Keiner kennt Bierofka länger. Beer kann sicher einordnen, was die Beweggründe für Bierofkas Flucht waren. Nur der Verein findet, dass es keine gute Idee ist, wenn die Journalisten jetzt ungeniert losfragen, was alle Leute im 1860-Kosmos beschäftigt.

„Das ist eine Spieltagspressekonferenz – mit der Betonung auf Spieltag“, schickt ein Sprecher voraus und setzt damit die mediale Defensivtaktik des Drittligisten fort. Schon die ganze Woche hatte der Verein die Aufklärung der Öffentlichkeit nicht unbedingt vorangetrieben. Der eine Gesellschafter nutzt seit Dienstag seine bevorzugten Plattformen (Facebook, Suite im Mandarin Oriental), um die Deutungshoheit über den – so Hasan Ismaik – schändlichen Umgang mit der Vereinsikone zu gewinnen. Der andere Gesellschafter nahm zumindest schriftlich Stellung (Pressemitteilung, AZ-Interview). Die Geschäftsstelle dagegen lief der Musik schon am Dienstag hinterher, bestätigte die Trennung erst nachts um 23.06 Uhr. Und nun hätte sie es gerne gehabt, wenn die Medien vor der Abreise der Profis nach Halle nur unverfängliche Fragen zum Spieltag gestellt hätten.

Das jedoch machte auch Oliver Beer nicht mit. Der bisherige Co-Trainer hatte ein berechtigtes Interesse daran, seine Sichtweise zu den Ereignissen darzulegen – schließlich war zuletzt auch ihm ein distanziertes Verhältnis zu Bierofka nachgesagt worden. Stimmt es also, dass sich die beiden rund um das letzte Spiel nicht mal mehr begrüßt haben, lautete bereits die dritte Frage nach dem anfänglich irritierten Schweigen in der Runde. Und Beer antwortete, leise im Tonfall, aber laut in der Aussage: „Ich kann das nicht bestätigen. Mir ist sein Abschied nahegegangen wie allen anderen auch. Daniel ist eine Ikone hier, lebt für den Verein – und natürlich war der Dienstag sehr emotional für mich.“ Beer bezeichnet die Nachricht von Bierofkas Abschied als „katastrophal“ und betont, dass der zurückgetretene Coach sogar noch eine Abschiedsnachricht geschickt habe: „Er hat mir und der Mannschaft noch mal per WhatsApp alles Gute gewünscht. Ich weiß also wirklich nicht, woher diese Gerüchte kommen.“ Letztlich, muss er zugeben, kenne aber auch er keine Hintergründe. Es müsse sich bei Bierofka „viel angestaut“ haben.

Da Beer selbst nur eine A-Lizenz besitzt und die Ausnahmegenehmigung des Verbands maximal 15 Tage gültig ist, weiß der 40-Jährige, dass er die Mannschaft nur in Halle in Alleinverantwortung betreuen wird. Schon für das Derby gegen Bayern II am 24. November muss eine andere Lösung her. „Nächste Woche wird ein anderer Trainer kommen“, plaudert Beer aus, betont aber zugleich, nicht in den Findungsprozess eingebunden zu sein. Co-Trainer will er dennoch bleiben. „Stand jetzt läuft mein Vertrag bis 2022 – und bisher hab ich keine Info erhalten, dass mein Co-Trainer-Job anderweitig vergeben wird.“

Für das Spiel in Halle stellt Beer Löwen in Aussicht, die entschlossen ihrer Außenseiterrolle trotzen wollen. Die Mannschaft werde im Geiste Bierofkas auftreten, betont er: „Daniel hat gesagt, wir sollen nicht mehr über ihn reden – aber wir sollen die Werte, die er verkörpert, weiterleben. Die Jungs wollen alles für Biero raushauen.“

Artikel 1 von 11