1985 gab es im Eishockey in der Münchner Halle am Oberwiesenfeld ein Spiel, das 3:3 ausging. Es war ein Ergebnis, das als Weltsensation gewertet werden musste. Erstmals hatte Deutschland ein Länderspiel gegen die UdSSR nicht verloren; die Nostalgiker werden sich noch daran erinnern, dass Torwart Beppo Schlickenrieder die Partie seines Lebens machte. Und das erste Unentschieden nach 55 Niederlagen festhielt.
34 Jahre später fühlt es sich immer noch außergewöhnlich an, wenn eine deutsche Nationalmannschaft einer russischen nicht unterliegt, sie schlägt. Der unbestimmte Artikel „eine“ ist bewusst gewählt, denn das Eishockey hat sich auch dahingehend verändert, dass Länderspiele mehr als früher zum Testen benutzt werden. Und 1985 spielten alle Größen der jeweiligen Szene auch noch in ihren Heimatländern und nicht in der NHL. Am 7. November 2019 in Krefeld beim Deutschland-Cup, der ein nettes und etabliertes Turnier ist, aber auch kein für den Lauf der Welt entscheidendes, standen sich nicht Deutschland A und Russland A gegenüber, sondern Deutschland B und Russland C. Deutschland gewann 4:3.
Schönes Ergebnis, immer gerne genommen, gut fürs Prestige. Wichtiger als das Resultat und Indikator des Fortschritts, den die Nationalmannschaft genommen hat, ist die Haltung, mit der sie in solche Spiele geht. Sie traut sich zu, sie zu gewinnen. Und so tritt sie auf. Sie ist bereit, das Spiel aktiv zu bestreiten und nicht nur die Scheiben weit rauszuhauen.
Weil immer gefragt wird, ob die olympische Silbermedaille von 2018 etwas hinterlassen hat: Ja, das Selbstvertrauen, das das deutsche Eishockey seitdem zeigt, ist eine Hinterlassenschaft, und sie kann nachhaltig sein. Man spürt den Aufschwung auch auf Clubebene, wo sich München und Mannheim als in der Champions Hockey League voll konkurrenzfähig erweisen. Man hat in der DEL drei 17-Jährige, die noch mit Gitter vorm Gesicht spielen müssen – Jugendstil, wie er bisher Sache der Länder mit großer Eishockeykultur war. Und die Nationalmannschaft fühlt sich als A-Vertretung, auch wenn nicht alle Leute verfügbar sind.
Der deutsche Torhüter war am Donnerstagabend übrigens auch ziemlich gut. Er heißt Mathias Niederberger. Sein Vater Andreas verteidigte 1985 beim legendären 3:3 in München. Der Sohn gewinnt. Es geht voran.
Guenter.Klein@ovb.net