Zwei auf Bewährung

von Redaktion

Flick gegen Favre – nur ein Trainer geht entspannt in die Länderspielpause

München – FC Bayern gegen Borussia Dortmund. Rot gegen Schwarzgelb, Freistaat gegen Ruhrpott. Beim Bundesliga-Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) sind die Blicke aber vor allem auf die beiden Trainerbänke gerichtet. Auf der einen Seite sitzt Hansi Flick (54), die Münchner Übergangslösung nach dem Aus von Niko Kovac. Sein Kontrahent: Lucien Favre (62), dem mit dem 3:2 in der Champions League gegen Inter Mailand der Befreiungsschlag gelang. Die Gipfel-Trainer in der Analyse.

Hansi Flick: Nach dem Einstand in der Königsklasse (2:0 gegen Piräus) wird es für den Kovac-Nachfolger auch in der Liga ernst. Und die Hürde könnte kaum höher sein. „Das ist ein anderes Kaliber als Piräus, wir müssen eine Schippe drauflegen“, erklärte der 54-Jährige. Insgesamt präsentierte sich die Übergangslösung auf dem Trainerstuhl vor seiner Nagelprobe sehr gelassen. Flick: „Ich genieße die zwei Spiele, bin entspannt.“

Ein bisschen Schlafmangel räumte der neue Chef ein. Und ob es wirklich bei nur zwei Partien bleibt? „Dortmund ist für mich die Ziellinie – und die wollen wir mit einem Sieg überqueren. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.“

Abseits des Sportlichen ließ Hansi vor dem Topspiel einen Blick hinter die Fassade des Fußballtrainers Flick zu. Als er gefragt wurde, was für ein Typ er denn privat sei, antwortete der 54-Jährige: „Ich habe einen Labrador. Ich bin ein Familienmensch, habe zwei Töchter und zwei Enkelkinder – das ist alles, was zählt.“

Mit Hansi, der Koseform von Hans-Dieter, kann Flick leben. Er lachte: „Mein Vater hatte die super Idee, mich Hans-Dieter zu nennen. Ich bin mit Hansi ganz zufrieden.

Lucien Favre: Im Gegensatz zu Niko Kovac hat Dortmund-Coach Lucien Favre den heißen Herbst überstanden. Nach zwischenzeitlich drei Ligaspielen ohne Sieg und der 0:2-Pleite in der Champions League bei Inter Mailand hatte auch der Trainerstuhl des Schweizers gewackelt. Nach zuletzt drei Dreiern am Stück – gegen Gladbach, Wolfsburg und Inter – ist das Lächeln bei Favre zurück. „Es war eine schwere Phase, aber momentan geht es besser. Wir wollen so weitermachen“, erklärte der 62-Jährige.

Die letzten fünf Bundesliga-Auftritte in München verlor der BVB allesamt – bei einem Torverhältnis von 3:22. Sportdirektor Michael Zorc sprach unumwunden von einer „Horrorbilanz“ – und forderte, in der Wortwahl etwas ungeschickt: „Wir müssen Männerfußball spielen, wir müssen Kerle sein auf dem Platz. Die Jungs in München raufen sich für dieses Spiel zusammen – unabhängig davon, wer Trainer ist.“

Ein klarer Auftrag ans Team, und somit auch an Favre. Dem bescheinigte Zorc eine Weiterentwicklung. Der Sportdirektor meinte: „Ich finde den Trainer sehr lebhaft und kämpferisch.“ Eigenschaften, die auch auf der bayerischen Trainerbank gefordert sind.

Dorthin hätte es Favre vor zwei Jahren auch führen können. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (64) und Favre sind seit ihrer aktiven Zeit befreundet, spielten zusammen für Servette Genf. Sie schätzen sich bis heute sehr. Auch deshalb wurde nach dem Abschied von Jupp Heynckes an der Säbener Straße über Favre diskutiert. Letztlich ging der Schweizer zum BVB, der Rekordmeister holte Kovac. Favre sagte unlängst: „Ich habe sehr guten Kontakt zu Kalle. Wir verstehen uns sehr gut – fußballerisch wie menschlich.“ Am Samstag ruht diese Freundschaft für mindestens 90 Minuten. JONAS AUSTERMANN

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