Flick bleibt Bayern-Coach

Mit Weitsicht geplant

von Redaktion

HANNA RAIF

90 Minuten Hansi Flick waren am Samstag geprägt von viel Liebe. Klar, es wurde viel gejubelt, aber zwischendrin auch mindestens genauso viel umarmt, getätschelt, gut zugeredet. Spieler, Ersatz-Leute, Staff, Schiedsrichter – sie alle bekamen ein Stückchen Flick. Und dann, als es plötzlich 4:0 stand und dieses Münchner Stadion tatsächlich mal kochte, war Hasan Salihamidzic dran. Der Sportdirektor schnappte sich Flick, oder Flick schnappte sich den Sportdirektor, egal! Sie fielen sich jedenfalls in die Arme und ließen sich gar nicht mehr los. Ein Bild, das diese Woche beim FC Bayern bestens beschrieb. Man ist doch irgendwie froh, dass man sich hat.

Flick darf also bleiben, vorerst, das wird stets betont, tut aber nichts zur Sache. Denn wenn es läuft, muss nichts verändert werden – und wenn es nicht läuft, rückt Flick einfach zurück ins zweite Glied. So viele Fehler man den Bayern-Bossen beim Agieren auf dem Trainermarkt in den vergangenen drei Jahren vorwerfen kann: In diesem Fall haben sie goldrichtig gehandelt. Nach der ersten durchwachsenen Saison unter Niko Kovac in Flick einen Mann zu installieren, der nicht den Stab des damaligen Chefcoaches, sondern die Club-Seite repräsentiert, war clever. Man hat vorausgeschaut, schon damals ahnend, dass Kovac eine weitere Krise nicht überstehen dürfte.

Dass Flick nun da ist und bleiben kann, verschafft jene Zeit, die man auf dem Trainermarkt braucht. Schon in dieser Luxussituation gestaltet sich die Suche schwierig und wird nicht leichter, je mehr Trainer eingestellt und entlassen werden. Zumindest aber haben die Bayern nun Ruhe bis zur Winterpause und womöglich sogar bis zum Sommer, um die Thomas Tuchels oder Erik ten Hags dieser Welt zu überzeugen, an die Isar zu wechseln.

Was währenddessen auf dem Platz passiert, ist ja durchaus vielversprechend. Natürlich profitiert Flick vom Zauber des Anfangs, auch der „Flick-Effekt“ wird nicht ewig anhalten. Es zeigt sich aber, dass seine Menschlichkeit den zuvor verunsicherten Stars guttut. Da gab es einen Satz, der in der Anfangszeit von Carlo Ancelotti gerne verwendet wurde: Es menschelt wieder beim FC Bayern. Diesmal scheint er – anders als damals – treffend zu sein.

hanna.raif@ovb.net

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