Weiter mit dem Menschenfänger

von Redaktion

Nach dem 4:0 gegen den BVB bleibt Flick Bayern-Trainer – so lange es gut läuft

VON HANNA RAIF

München – Thomas Müller ist ein Tausendsassa, auf dem Platz sowieso, aber auch daneben. Am Samstag, als aus der Kabine des FC Bayern ausschließlich gut gelaunte Protagonisten schlenderten, stellte sich der 30-Jährige freiwillig zurück. Gerade zwei Minuten stand Müller vor den Mikrofonen, da blickte er über alle Köpfe hinweg und sagte: „Schaut mal, da hinten braut sich was zusammen. Da müsst ihr hin.“ Er hatte Recht. Uli Hoeneß hatte sich positioniert, bereit für eines der letzten Statements als Präsident. Und er durfte die Botschaft bestätigen, die nach dem 4:0 gegen Borussia Dortmund, nur logisch war: Hansi Flick bleibt Trainer.

„Bis auf Weiteres“, das ist der Zusatz, der von den Bossen in dieser Personalie stets verwendet wird. Was am vergangenen Montag, Flicks erstem Amtstag, aber als Zeitspanne von sechs Tagen interpretiert wurde, hat nun ein offenes Ende. „Hansi hat vor der Woche gesagt, die zwei Spiele sind die Ziellinie. Die Ziellinie hat er bravourös überschritten“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der als Erster aus dem Triumvirat der Verantwortlichen gesprochen und Flicks Amtszeit somit so gut wie verlängert hatte. Er gehe davon aus, so der Vorstandschef, dass Flick nach der Länderspielpause beim Spiel in Düsseldorf auf der Bank sitzen werde. Hoeneß fügte hinzu: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Karl-Heinz nur über diese Woche redet.“ Heißt: Flick bleibt, so lange es läuft. „Wir werden in Ruhe mit ihm weitermachen“, sagte Rummenigge.

Argumente auf seiner Seite hatte der Interimscoach nach dem sehr starken Auftritt gegen die sehr schwachen Borussen freilich genug. Die Krise, so versicherten die Spieler, sei schon nach dem 2:0 gegen Piräus überwunden gewesen, bei dem die Defensive deutlich organisierter wirkte als unter Niko Kovac. Im Topspiel, sagte Flick treffend, „haben wir nun den Fußball gespielt, den die Zuschauer gewohnt sind und auch sehen möchten“. Standing Ovations, „Oh wie ist das schön“ und ein hämisches „Deutscher Meister wird nur der BVB“ schallten nach den Toren von Robert Lewandowski (17./76.), Serge Gnabry (47.) und Pechvogel Mats Hummels (80., Eigentor) durch die ausverkaufte Allianz Arena. Alles wirkte, als sei der FC Bayern wieder auferstanden.

Flick gab sich dennoch entspannt. „Eine schöne Flasche Rotwein“ genehmigte er sich später, Fragen nach seiner Zukunft konterte er mit Worten wie: „Ich habe einen Arbeitsvertrag als Assistenztrainer, der geht bis 2021. Was soll ich mir Gedanken machen?“ Nach einer kleinen Ruhephase (Neuer: „hat er sich verdient“) wollen die Bayern das Gespräch suchen, Hasan Salihamidzic sagte: „Dazu gehören immer zwei Parteien.“ Im Moment hat aber niemand den Bedarf, die Trainerpersonalie zu ändern.

Gerade mal drei Trainingseinheiten hat Flick bisher geleitet, „aber er ist ein Menschenfänger“, sagte Manuel Neuer. Leon Goretzka attestierte dem 54-Jährige „hohe Empathie und ein gutes Fingerspitzengefühl“. Das Drehen an kleinen Stellschrauben – die Stärkung von Thomas Müller, die Umstellung der Abwehr sowie eine hohe Verteidigung – hat genauso viel geholfen wie Einzelgespräche. Was unter Kovac nicht mehr lief, läuft nun wieder. Hoeneß bestätigte sogar, dass die Spieler an der Trennung einen entscheidenden Anteil hatten: „Es hat Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die Kovac weghaben wollten.“

Trotzdem sei man sich einig, „Niko gegenüber keine schmutzige Wäsche waschen“ zu wollen (Rummenigge). Die Bayern blicken seit Samstag nicht mehr zurück, sondern nach vorne. Geschlossen, alle Mann. Nicht nur Tausendsassa Müller.

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