Hauptstadtspiele
Wieder einigermaßen reich –dank Investor Lars Windhorst wurde das Eigenkapital auf 123,7 Millionen Euro verfünffacht – aber immer noch nicht sexy: so lässt sich die Lage bei Hertha BSC Berlin derzeit zusammenfassen. Zu mehr glanz soll dem Hauptstädtern nun allerdings Jürgen Klinsmann verhelfen. Der Ex-Bundestrainer zieht in den Aufsichtsrat des Clubs ein und sowohl Investor Windhorst als auch Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz schwärmen von der „Fußballkompetenz“ des gebürtigen Schwaben. Wie intensiv Klinsmann diese Kompetenz jedoch in die Haupstadt transportieren kann, dahinter steht nach Klinsmann Einlassungen zu seinem Hertha-Engagement ein Fragezeichen: „Ich freue mich, in Zukunft ein bisschen an Hertha BSC mit zu basteln. Für mich ist es kein Full-Time-Job. Ich werde weiter in Kalifornien wohnen, werde aber natürlich öfter in Berlin sein.“
Wohnhaft in Huntington Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. Dazu sein neuer Posten als Nationaltrainer in Ecuador. Für Hertha, bei der bis zur letzten Saison noch sein Sohn Jonathan als Torwart unter Vertrag stand, bleibt da nicht mehr allzu viel Zeit übrig. Aber wenigstens haben die Berliner jetzt ein prominentes Maskottchen, dass den reichen Club vielleicht auch ein wenig attraktiver machen kann.
Karnevals Depressionen
Heute ist ganz Köln und Mainz auf den Beinen. Es gilt die fünfte Jahreszeit einzuläuten – es ist Karneval. Zwei Männern dürfte indes nicht nach Jecken-Freude zu Mute sein: Achim Beierlorzer und Sandro Schwarz. Beide Trainer sind nach diesem Wochenende von ihren „Aufgaben freigestellt“ -– wie es branchenüblich danach formuliert wird.
Doch abseits dieser Floskeln bleiben sich beide Vereine treu. Während Mainz nüchtern und professionell ein Tag nach der Niederlage die Trennung von Schwarz verkündete, herrschte in Köln am Freitagabend Chaos. Zunächst twitterte der Verein mit dem Schlusspfiff gegen Hoffenheim, dass der Vertrag mit Armin Veh mit sofortiger Wirkung aufgelöst wird. Davon wussten jedoch weder die Spieler noch Trainer Achim Beierlorzer etwas. Immerhin durfte der Franke nach dem 1:2 gegen Hoffenheim noch ausschlafen. Am Morgen danach war seine Ende als FC-Trainer beschlossen. Fan-Liebling Brunno Labbadia heuert jedoch nicht in der Domstadt an – Labbadia sagte von sich aus ab. Nun kursieren die Namen Pal Dardai und Tayfun Korkhut rund um den Dom. In Mainz wird der ehemalige Leverkusen-Trainer Roger Schmidt gehandelt, der nach seinem China-Engagement kurzfristig verfügbar wäre. Mit Niko Kovac, Achim Beierlorzer und Sandro Schwarz mussten in einer Woche drei Bundesliga-Trainer ihren Hut nehmen.
Friedhelms Zauberhut
Natürlich kann Fortuna Düsseldorf noch absteigen. Aber die Art und Weise wie die Mannschaft von Friedhelm Funkel (auch) in dieser Saison auftritt, ist bemerkenswert. Beim 3:3 auf Schalke steckte die Truppe nie auf und konnte gleich dreimal eine Schalker Führung ausgleichen. Am Ende waren die Rheinländer sogar näher am 4:3 als die Gastgeber aus Gelsenkirchen. Wie im letzten Jahr mit Dodi Lukébakio hat Funkel wieder einen Stürmer aus dem Hut gezaubert, den vor der Saison niemand auf dem Zettel hatte – Rouwen Hennings.
Auf Schalke erzielte Hennings seinen ersten Dreierpack in der Liga. 2014 gelang ihm schon einmal ein Dreierpack. Allerdings „nur“ in der zweiten Liga gegen den Karlsruher SC.
In elf Spielen markierte der 32-Jährige bisher stolze neun Treffer und avanciert zur Lebensversicherung des Vereins. In der gesamten letzten Spielzeit war Hennings nur siebenmal erfolgreich. Wahrscheinlich hat der Düsseldorfer Erfolgstrainer für das nächste Jahr schon das nächste Fortuna-Kaninchen im Hut. Am liebsten natürlich ein Erstliga-Kanninchen.
Dosenpower
Nicht mehr mit dem Dampfhammer, sondern auf leisen Sohlen schreitet Leipzig in Richtung Spitze. Nach der Pleite in Freiburg vor vier Wochen, folgten vier Siege in Folge und 20:5 Tore. Dazu ist die K.o.-Runde in der Champions League zum Greifen nah. Für den Erfolg hat Trainer Julian Nagelsmann das attraktive Spiel hinter das erfolgreiche Spiel verbannt: „Es ist mir relativ egal, ob wir mit feiner Klinge oder mit stumpfer Klinge spielen. Hauptsache wir gewinnen.“ Und auch eine stumpfe Klinge kann höllische Schmerzen verursachen – mehr als manche feine. DANIEL MÜKSCH