Krefeld – Vor einem Jahr waren in Krefeld alle sentimental. Nicht weil die Nationalmannschaft bei ihrem Hausturnier um den Deutschland Cup Letzter geworden war. Geschenkt. Das große Thema war der Abschied von Bundestrainer Marco Sturm. Kurzfristig hatte sich für den Olympia-Silberschmied die Chance ergeben, als Trainerassistent in die NHL wechseln zu können. Schon in der Nacht nach dem Cup flog er ab nach Los Angeles.
Dass Toni Söderholm der nächste Bundestrainer werden würde, war damals nicht absehbar. Der Finne war ein eher Unbekannter in Deutschland. Eine Saison hatte er in München gespielt (2015/16), war dann Co-Trainer von Don Jackson geworden und hatte nach einer Saison die Zuständigkeit für den Münchner Juniorpartner SC Riessersee in der DEL2 bekommen. Er blieb auch nach dem Zwangsabstieg des SCR in die Oberliga. Bis Stefan Schaidnagel ihn im Dezember 2018 anrief. Als Söderholm den Namen des DEB-Sportdirektors auf dem Display sah, „wusste ich, worum es ging“.
Seine Berufung war eine Überaschung: Nach der Lichtgestalt Sturm ein Nobody, der zum 1. Januar 2019 anfing. Söderholm hat die Spieler überzeugt. Der Deutschland Cup 2019, sein erster, wird mit Platz zwei (trotz zwei Niederlagen in der Verlängerung) als Erfolg verbucht. „Positiv ist, dass wir die Chance hatten, alle Spiele zu gewinnen. Negativ, dass wir die Chance nicht genutzt haben.“ Seine Vorgesetzten – Schaidnagel und Verbandspräsident Franz Reindl – rechnen ihm das couragierte Auftreten einer Nationalmannschaft mit Neulingen und vielen Spielern, die in ihren Vereinen kleine Rollen einnehmen, hoch an. Die Spieler hat Söderholm problemlos für sich eingenommen. Über Fehler sieht er hinweg („Sie passieren“), eher nimmt er mal was „auf die eigene Kappe“ – wie das erste Drittel gegen die Schweiz: „Da habe ich unser Aufbauspiel nicht genau genug erklärt.“ Stürmer Felix Schütz spielte erstmals unter Söderholm. Er war angetan: „Er hält die Meetings auf Deutsch, überrascht die Mannschaft jeden Tag. Ein intelligenter Mann. Er wird sehr lange da sein.“ GÜNTER KLEIN