München – Das Bürschchen nimmt die nächste Sprosse auf der Karriereleiter. Hasan Salihamidzic, bislang Sportdirektor des FC Bayern, wird am 1. Juli 2020 zum Sportvorstand. Die Beförderung des 42-Jährigen stand auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung, die gestern Abend in der Allianz Arena stattfand – letztmals unter Leitung des Vorsitzenden Uli Hoeneß. Der 67-Jährige gibt diesen Posten und das Präsidentenamt am Freitag im Rahmen der Jahreshauptversammlung auf.
Hoeneß war es ein besonderes Anliegen, Brazzo (Serbisch für: Bürschchen) in seiner letzten Handlung als Aufsichtsratschef zu befördern. Dem steht nun nichts mehr im Wege. In der Pressemitteilung des Klubs heißt es: „Hasan Salihamidzic ist seit Sommer 2017 Sportdirektor und hat in dieser Zeit hervorragende Arbeit geleistet.“ Das gelte sowohl für den Profibereich, als auch für die Jugend- und Nachwuchsförderung der Münchner. Die Erklärung schließt mit den Worten: „Der Aufsichtsrat beabsichtigt daher, die Zusammenarbeit mit Hasan Salihamidzic fortzusetzen und ihn zum 1. Juli 2020 in den Vorstand zu berufen.“
Hintergrund: Der Vertrag als Sportdirektor endet erst in rund sieben Monaten. Salihamidzic war am Montagabend übrigens nicht selbst in der Arena anwesend. Schon im Vorfeld hatte Hoeneß stets zum Sportdirektor gehalten, am Sonntag sorgte er noch mit einem Anruf im Sport1-Doppelpass für Aufsehen. Ihm war die Diskussion über Salihamidzic zu negativ geführt worden. Also klingelte er durch und polterte, dass sich große Teile der Runde „despektierlich“ über Brazzo geäußert hätten.
Hoeneß stellte klar, dass die Verpflichtungen „von Pavard, Hernández und nicht zuletzt Davies allein auf seinem Mist gewachsen sind“. Der FC Bayern, so schloss der Präsident, werde noch viel Spaß an Salihamidzic haben. In Zukunft als Sportvorstand. Die Beförderung ist in erster Linie eine Bestätigung für die klubintern sehr geschätzte Arbeit von Salihamidzic.
Am Aufgabengebiet des 42-Jährigen endet sich vorerst nichts, der Titel ist etwas für den Briefkopf. Als Brazzo 2017 anfing, hatte er keinen leichten Stand – vor allem weil er nach Absagen von Philipp Lahm und Max Eberl als dritte Wahl galt. Salihamidzic sah das anders, krempelte die Arme hoch und überzeugte – wie zu aktiven Zeiten -– als harter Arbeiter.
Besonders in diesem Sommer war er gefordert: Nach den Abgängen von Robben, Ribéry, Hummels, James und Rafinha musste Salihamidzic beweisen, dass er den Umbruch gestalten kann. Anfangs hatte Brazzo seine Schwierigkeiten. Chelseas Callum Hudson-Odoi sagte ab, Wunschtransfer Leroy Sané verletzte sich am Kreuzband.
Auf den letzten Meterndes Transfersommers schlug Salihamidzic aber zu. Ivan Perisic (Inter) und Philippe Coutinho (FC Barcelona) kamen leihweise. Zuvor hatte der 42-Jährige bereits die beiden französischen Weltmeister Benjamin Pavard und 80-Millionen-Mann Lucas Hernández an die Isar gelockt.
So hat Brazzo sich letztlich die Beförderung verdient.