In der Herzkammer der DEL

von Redaktion

Wie die Liga hinter den Kulissen daran arbeitet, das Spiel besser zu machen

VON GÜNTER KLEIN

Neuss – Es läuft Sport, und Menschen mit offiziellem Gesichtsausdruck und Headset auf den Ohren blicken konzentriert auf Bildschirme – das muss in einem Keller sein, abgeschnitten von der Außenwelt. Seit der Fußball in Deutschland den VAR, den Video Assistant Referee, eingeführt hat, spricht man vom „Kölner Keller“.

Im deutschen Profi-Eishockey gibt es seit einigen Wochen so etwas Ähnliches. Aber mit Aussicht. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat sich in ihrer Zentrale in einem Gewerbegebiet in Neuss in Nordrhein-Westfalen einen Raum eingerichtet, den sie „Game Center“ nennt. Gelegen im dritten Stock. Mit Aussicht, die tagsüber die ehemaligen Nationalspieler Lars Brüggemann und Tino Boos genießen. Sie leiten das Schiedsrichterwesen und das Game Center, sie sind wichtige Angestellte der DEL, das ist zugleich ihr Büro. Mit breiter Fensterfront und Tageslicht. Kein Keller. „Der Neusser Balkon“, greift DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke ironisch den Sprachduktus auf.

Der Unterschied zum „VAR Room“ des Fußballs: Die DEL greift nicht direkt in die Spiele ein, den Videobeweis (gibt es in der DEL seit fast 20 Jahren) handhaben die Schiedsrichter vor Ort, Im Eishockey-Game Center geht es – vorerst – „um Qualitäts-Management“. Alles rund ums Spiel herum soll besser werden.

Maximal sieben Spiele können gleichzeitig laufen (am Freitagabend, am Sonntag gibt es drei Anspielzeiten), also gibt es sieben Arbeitsplätze im Game Center. An jedem Platz sitzt ein „Logger“. Die DEL hat 16 ehemalige Spieler und Ex-Schiedsrichter aufgetrieben, die in der Gegend um Neuss leben. Man stößt auf Namen wie Björn Barta, Markus Krawinkel, Dieter Reinartz (war mal Frauen-Bundestrainer), Arno Brux, Jewgenij Koschewnikow, der in Düsseldorf wohnt und als Spieler noch bei einem israelischen Club gemeldet ist. Auch Reemt Pyka, 50, ist jetzt Logger. Der frühere Rosenheimer spielte etliche Weltmeisterschaften, er war Co-Trainer bei den Krefeld Pinguinen, kümmert sich nun um die Schüler-Mannschaft.

An den Abenden sitzt er im Game Center und sagt: „Es macht Riesenspaß.“ Sein Job: Was bei einem Spiel auffällt, markiert er, stellt es mit Beschreibung in ein Logbuch und leitet den Clip an eine Abteilung weiter: „Player Safety“ – daheim in Oberbayern empfängt Disziplinarchef Lorenz Funk jun. (wollte nicht nach Neuss ziehen) für ihn relevante Ausschnitte. „Hockey Operations“ – hier geht es darum, ob das Eis gut ist, die Lichtverhältnisse bei der Übertragung stimmen – zuständig bei der DEL: Jörg von Ameln. Und die Medienabteilung wird versorgt: Mit guten und kuriosen Szenen soll sie ihre Kanäle bespielen. Die DEL will ja auch eine große Öffentlichkeit erreichen.

Schiri-Chef Lars Brüggemann ist auch immer da, wenn Spiele stattfinden. „Jeder Manager der DEL hat die Telefonnummer von diesem Raum.“ Manchmal klingelt es schon während der Spiele, und ein sportlicher Leiter aus einem Verein lässt Luft ab.

Tino Boos sieht sich in der Herzkammer der DEL auch jedes Tor gesondert an. Der Torschütze soll der richtige sein – auch der Assistent (oder die beiden) korrekt benannt werden. „Wir hatten mal ein Captain’s Dinner mit den Spielführern der Clubs“, sagt Boos, dabei wurde der Wunsch an ihn herangetragen, dass die DEL das mit den Scorerpunkten neutral regelt. Hintergrund: Es gab in den Teams Spezialisten, die Punkte klauten oder beim Schiedsrichter zu erfeilschen versuchten. „Betrug“, so Boos, „es geht um bares Geld“.

Betrug nun abgestellt.

Artikel 8 von 11