KOMMENTAR ZUM EINSTAND DES NEUEN 1860-TRAINERS

Nichts zu verlieren

von Redaktion

Froh und voller Tatendrang – so präsentierte sich Michael Köllner bei seiner Vorstellung an der Grünwalder Straße. Ihn interessiere weniger, was bei den Sechzigern schief laufe, sondern was den Klub ausmache, entgegnete der neue Trainer auf Fragen nach der politisch brisanten Situation in Giesing. Dass dies – untermauert von den jüngsten Ereignissen um den Abgang von Daniel Bierofka – womöglich ein und dasselbe sein könnte? So negativ kann ein Einsteiger schlecht denken. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein: Weiß dieser Köllner tatsächlich, worauf er sich mit den tief gespaltenen Löwen einlässt?

Man kann dem bodenständig wirkenden Oberpfälzer mit Blick auf seinen Vorgänger nur raten, das zu beherzigen, was er gestern ankündigte: seinen Wirkungsbereich auf die Trainingsarbeit und Spielerentwicklung zu beschränken. Der ehrgeizige Bierofka zerbrach nicht zuletzt an seinem Anspruch, den Klub einen zu wollen – eine Aufgabe, für die der Friedensnobelpreis keine zu hoch gegriffene Ehre wäre.

Köllner kann ohne den Ballast des als Messias überhöhten Ex-Profis ans Werk gehen. Seine Erfahrung, aus einem schmalen Budget Ansehnliches zu machen, gab den Ausschlag für seine Verpflichtung. Sollte ihm eine Weiterentwicklung gelingen, wäre er reif für Höheres. Falls nicht, bliebe der persönliche Schaden überschaubar. Ernsthaft zu verlieren hat der Mann nichts.

LUDWIG KRAMMER

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