Typen in Nadelstreifen

von Redaktion

DFB-Elf beschließt 2019 im Outfit für 2020

VON GÜNTER KLEIN

München – Manchmal ist das Trikot ein Vorbote: Kann was werden – oder wird nichts.

Vereine modifizieren ihr Outfit zu jeder Saison, bei der Nationalmannschaft bestimmen die großen Turniere (WM und EM) den Lebenszyklus einer Garnitur. Die neuen Klamotten werden immer mit gut einem halben Jahr Vorlauf auf den Markt gebracht – und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Das DFB-Trikot, das Ende 2017 in die Läden kam, war aschgrau. Das zackige Motiv von 1990 (Weltmeister in Italien mit dem – sagen die Modegurus – schönsten Design jemals) wurde zwar zitiert – doch ohne jede Farbe außerhalb von Schwarz-Weiß-Abmischungen. Das WM-Turnier in Russland passte sich der Trikotoptik an. Insofern ist, was Adidas, der Ausrüster des Deutschen Fußball-Bunds, in Richtung Europameisterschaft vorstellt, eine Verbesserung: Die Ärmel schließen nun mit einer schwarz-rot-goldenen Kombination ab. „Wir haben die deutsche Flagge wieder deutlicher in unser Erscheinungsbild aufgenommen. Ich denke, das ist ein schönes Statement, mit dem wir auch dem Wunsch vieler Fans nachkommen“, sagt Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff im schönsten Marketing-Sprech. Serge Gnabry kann da aber locker mithalten: „Wenn du weißt, dass ein neues Trikot rauskommt, freust du dich besonders auf ein Spiel“, so wird er in einer Mitteilung des DFB zitiert.

Markantestes Designelement sind die Nadelstreifen – was amüsant ist, wenn man an einen alten Fernseh-Werbespot (für Nike) mit dem Dortmunder Lars Ricken denkt. Der Satz „Ich sehe Vereine, die teure Profis kaufen, ohne den Nachwuchs zu fördern. Ich sehe Typen in Nadelstreifen, ich sehe Geschäftemacherei ohne Ende“ – 1997 ein Aufreger.

Die neuen Typen werden ihre Nadelstreifen erstmals am Samstag (20.45 Uhr, RTL) in Mönchengladbach tragen, wenn es gegen Weißrussland in den vorletzten Spieltag der EM-Qualifikation geht. Am kommenden Dienstag folgt in Frankfurt noch die Partie gegen Nordirland (20.45 Uhr). Die Niederlande (Gruppenerster mit aktuell 15 Punkten wie das DFB-Team) und Nordirland (Dritter mit 12) spielen am Samstag gegeneinander, bei passendem Verlauf in Belfast würde Joachim Löws Mannschaft ein Sieg gegen Weißrussland genügen, um sich fürs paneuropäische Finalturnier 2020 zu qualifizieren. „Die Sache dichtmachen“, fordert Bierhoff.

Im Juni hatte die deutsche Mannschaft 2:0 in Borissow gewonnen. Coach war damals Marcus Sorg, weil Joachim Löw sich beim Hanteltraining das Brustbein gebrochen hatte und nach Operation in der Reha auf dem heimischen Sofa war. Nun ist der Bundestrainer wieder fit – doch von der Elf, die in Weißrussland nicht ohne Mühe gewann, fehlen die beiden Torschützen: Leroy Sané (Kreuzbandriss) und Marco Reus (Sprunggelenksprobleme). Außerdem nicht dabei: Niklas Süle. In Weißrussland agierte die DFB-Elf mit Dreierkette, gebildet aus lauter Innenverteidigungs-Kalibern. Mit ihm, dem hünigsten.

Nachdem auch beim Bayern Süle das Kreuzband riss, ist Innenverteidiger die neue Mangelposition. Auch Antonio Rüdiger und der für die Dreierkette sehr geeignete Thilo Kehrer sind verletzt. In seinem Kader führt Löw den defensiven Mittelfeldspieler Emre Can in der Abwehr auf, damit es dort nicht so öd aussieht und er Mats Hummels nicht wiederaufnehmen muss. Ob der sich jemals in den neuen Nadelstreifen-Chic wird gewanden dürfen?

Kai Havertz schon, der Leverkusener ist das Toptalent des deutschen Fußballs. Für die das Jahr 2019 beschließenden Länderspiele steht jedoch auch er nicht zur Verfügung. Mit Muskelfaserriss im linken Oberschenkel sagte er am Montag ab.

Artikel 1 von 11