Viel Offensivpower – aber keinen Meisterbalkon

von Redaktion

Noch immer fliegt Tabellenführer Gladbach erstaunlich weit unter dem Radar – Die werden doch nicht . . . ?

München/Mönchengladbach – Seit fünf Spieltagen führt Borussia Mönchengladbach die Tabelle an, die ersten Fans träumen vom Titel. Zu Recht? In unserer Übersicht nennen wir fünf Gründe für Gladbachs Aufschwung – und fünf Punkte, die gegen die Fohlen sprechen.

Darum kann Gladbach Meister werden

1. Die Ruhe. Gladbach mag Erster sein, sogar mit Vorsprung, doch noch immer fliegt die Borussia unter dem Radar. Alle reden über Bayern und Dortmund, sogar Freiburg und Köln lieferten am Wochenende größere Schlagzeilen. Und die Borussia? Gewinnt einfach weiter.

2. Der Trainer. Sportdirektor Max Eberl ging volles Risiko, als er Dieter Hecking trotz guter Ergebnisse den Laufpass gab und Marco Rose aus Salzburg holte. Der „gehypteste Coach von allen“ (O-Ton Jürgen Klopp) hat die hohen Erwartungen bislang voll erfüllt. Sein intensives System „schleift sich immer mehr ein“, sagte Eberl nach dem 3:1 gegen Werder Bremen.

3. Marcus Thuram. Neun Millionen Euro überwies Gladbach an Frankreichs Erstliga-Absteiger Guingamp, der Sohn von Weltmeister Lilian Thuram hat längst zurückgezahlt. Nicht nur sportlich (5 Tore, 4 Vorlagen) entpuppt sich der vielseitige Thuram als Volltreffer, auch als Typ hat sich der Eckfahnen-Jubler im Handumdrehen viele Freunde gemacht.

4. Die Bank. Denis Zakaria, Lars Stindl, Laszlo Benes – bei den meisten Bundesligisten wäre dieses Trio gesetzt, bei Gladbachs 2:1 in Leverkusen waren das die drei Einwechselspieler. Der zweite Anzug sitzt ideal. „Die Spieler kommen rein und wissen, was sie zu tun haben“, sagt Eberl.

5. Yann Sommer. „Wenn jetzt auch noch Sommer Elfmeter hält, ist alles möglich“, war einer der populärsten Fan-Sätze gegen Bremen. Der Schweizer hielt erst seinen zweiten Bundesliga-Strafstoß – viel wichtiger aber sind seine seit Monaten starken Leistungen. „Wir haben einen super Torhüter“, sagt nicht nur Gladbach-Coach Rose.

Das spricht dagegen

1. Die Rückrunden. Starke Hinrunden lieferte Gladbach zuletzt regelmäßig ab, ehe es steil bergab ging. Vor einem Jahr unter Hecking gab es bis zum Winter stolze 33 Zähler, es folgte eine enttäuschende Tradition: In den vergangenen zehn Jahren war Gladbachs Rückrunde siebenmal schlechter als die Hinrunde.

2. Die Bayern. Der 4:0-Sieg gegen Dortmund legt nahe, dass Bayern aufgewacht ist. Zur Erinnerung: Vergangene Saison lagen die Bayern nach elf Spieltagen sogar sieben Punkte hinter der Spitze. Der Gladbacher Vorsprung könnte schnell aufgebraucht sein.

3. Die Verletzten. Gefühlt bringt jedes Spiel mindestens einen neuen Verletzten, gegen Bremen mussten Christoph Kramer und Laszlo Benes vorzeitig vom Feld. „Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal wechseln konnten, weil wir wechseln wollten“, sagte Rose. Starke Bank hin oder her – auf Dauer kann das nicht gutgehen.

4. RB Leipzig. Die roten Bullen sind der Angstgegner schlechthin der Borussia: In sieben Duellen gab es noch nie einen Sieg. Auch jetzt sind die Sachsen der härteste Verfolger. Sollten die Bayern also patzen, würde es irgendwie passen, wenn die RB-Wirbelwinde der Borussia die Show stehlen.

5. Feierrahmen. Das Rathaus in Mönchengladbach verfügt über keinen Balkon . . .  sid

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