Beginn der „Schumi-Mania“

von Redaktion

Vor 25 Jahren holte Michael Schumacher seinen ersten von sieben WM-Titeln

Hamburg – Michael Schumacher klammerte sich hilflos an einen Sicherheitszaun, starrte auf die Rennstrecke – und fing an zu zählen. All die anderen fuhren „einmal, zweimal und schließlich ein drittes Mal an dieser Stelle vorbei. Ich wartete auf Damon Hill, aber er kam nicht. Das waren die längsten drei Runden meines Lebens“, sagte Schumacher einmal über die Momente des Hoffens, des Bangens, der Hilflosigkeit, der Erlösung.

Hinter dem Gitterzaun im australischen Adelaide wuchs bei „Schumi“ nur langsam die Gewissheit, dass er als erster deutscher Formel-1-Weltmeister Geschichte geschrieben hatte. „Selbst nachdem mir dann der Streckenposten ins Ohr geflüstert hatte, ich wäre jetzt Weltmeister – ich konnte es irgendwie noch nicht glauben“, sagte der damals 25-Jährige. Und im über 15 000 Kilometer entfernten Heppenheim jubelte der kleine Sebastian Vettel vor dem Fernseher über den Triumph seines Idols.

„Ich kann mich noch erinnern, als die zwei kollidierten und Michael ausfiel. Wie er gezittert hat, vor dem Ungewissen stand. Als dann klar war, dass Damon Hill einen Defekt hatte, waren mein Vater und ich ganz aus dem Häuschen“, sagt er heute.

Und in der Nacht von Adelaide fielen dann auch bei Schumacher alle Hemmungen. Mit einem schwarzen Cowboy-Hut auf dem Kopf tanzte der neue Held der Nation bis 4.55 Uhr am nächsten Morgen. Beim Katerfrühstück gab es die Versöhnung mit dem geschlagenen Damon Hill. „Am Montagmorgen kam Damon Hill zu mir und hat mir gratuliert. Das ist der schönste Moment für mich gewesen“, sagte Schumacher.

Denn das Finale einer denkwürdigen Saison, in der Schumacher zweimal disqualifiziert und sogar für zwei Rennen gesperrt worden war, in der sein Vorsprung auf Hill vor Australien auf einen Punkt (92:91) zusammengeschrumpft war, war genauso spektakulär wie umstritten. Der Showdown: In der 36. Runde kam der in Führung liegende Schumacher von der Strecke ab, touchierte eine Mauer und schleuderte vor Hill wieder auf die Strecke. Der Engländer wollte in der folgenden Rechtskurve innen überholen, doch Schumacher machte dicht. Hills Williams hebelte beim Auffahren Schumachers Benetton aus, der auf zwei Rädern Richtung Reifenstapel schleuderte. Hill rettete sich mit einem platten Vorderreifen in die Box, doch eine gebrochene Vorderradaufhängung beendete alle Titelträume. Bittere Tränen flossen.

Für Schumacher begann der Erfolgsweg. Der Kerpener ließ sechs weitere Titel folgen, davon fünf mit Ferrari. Dazu schaffte er 91 Grand-Prix-Siege, 68 Pole Positions, , verdiente Millionen über Millionen und löste die „Schumi-Mania“ im Land des Automobil-Erfinders aus. Seine Rekorde schienen für die Ewigkeit, doch mittlerweile ist ihm Lewis Hamilton auf den Fersen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals auch nur in seine Nähe kommen würde“, sagte der sechsmalige Titelträger.

Noch heute ist die Anteilnahme an Schumachers Schicksal ungebrochen, seit er am 29. Dezember 2013 bei einem Skiunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat. In diesen Tagen werden sich viele Fans auch wieder an 1994 erinnern. Als Schumacher den Zaun umklammerte und zählte.  sid

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