Bilanz des Schreckens

von Redaktion

An der Seite von Boris Becker tauchen ständig neue Partner auf – fast immer gibt es Ärger

VON DANIEL MÜKSCH

München – Der Tennisspieler Boris Becker verdiente sich das Quäntchen Glück mit seinem legendären Kampfgeist. Er rutschte, rannte oder hechtete so lange über den Court bis er das Schicksal auf seine Seite gezogen hatte. Abseits des Platzes kümmerten sich Ion Tiriac und Axel Meyer-Wölden darum, dass sich ihr Schützling nur auf Tennis konzentrieren konnte und sich um Geld keine Sorgen machen musste. Doch als diese zwei Persönlichkeiten Becker verließen und er sein Tennisoutfit gegen den Business-Anzug eintauschte, folgte eine beeindruckende Niederlagenserie für den neuen Geschäftsmann. Zurückbleibt eine Riege an Partnern, die auf seinen gleichen Kampfgeist wie als Tennisprofi hofften und sich heute in den meisten Fällen nur noch per Anwalt mit dem gebürtigen Leimener austauschen.

Khaled Ezzedine: Der Hesse mit libanesischen Wurzeln ist Beckers neuester Geschäftspartner. Das Duo plant in Hochheim am Main die „Boris Becker International Tennis Academy“ mit der größten Indoor-Tennishalle der Welt. 20 Millionen Euro sollen investiert werden. Die Eröffnung ist für 2021 anvisiert. Mitten in das Projekt platzte die Verlängerung der Insolvenzauflagen für dem sechsfachen Grand-Slam-Sieger bis 2031. Noch ist unklar, ob das international angelegte Projekt davon betroffen ist. Zudem muss Becker die Frage beantworten, wie das Vorhaben sich mit seiner Position als „Head of Men’s Tennis“ deim DTB vereinbaren lässt. Viele Fragezeichen, noch bevor die erste Schaufel bewegt worden ist.

Christian Krawinkel: Der Berliner Immobilienmanager ist der jüngst enttäuschte Becker-Kompagnon. Krawinkel ersteigerte Trophäen für fast 500 000 Euro bei der Insolvenz-Auktion Beckers in London. Er wollte dem insolventem Becker ermöglich, die Andenken mit einem „geordneten Finanzplan“ zurückzukaufen. Beckers Antwort: In seiner neuen Ezzedine-Akademie könnten die Pokale doch in einem Boris-Becker-Museum zu bewundern sein – umsonst natürlich. Krawinkel lehnte dankend ab und möchte die Sachen nun gemeinnützig versteigern.

Stephan Welk: Diese Bekanntschaft könnte Becker noch vor Gericht führen. Über Welk bezog der 51-Jährige einen Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik und wollte sich so dem Insolvenzverfahren bei den den englischen Behörden entziehen. Doch seine Dokumente waren gefälscht. Welk und seine Komplizen – unter anderem der Münchner Profiboxer Mario Daser – flogen auf und sitzen nun in U-Haft. Gut möglich, dass Becker für einen Prozess vorgeladen wird.

Willi Beier: Der Münchner Pharma-Milliardär taucht immer wieder an der Seite Beckers auf. Da sich Beckers Fast-Ex-Frau Lilly mit Beiers Freundin verkracht hatte, herrschte eine Zeit lang auch zwischen den Männern Funkstille. Jetzt urlaubt Becker wieder regelmäßig auf den Jachten des Unternehmers. Geschäftlich arbeiteten sie beim letzten Becker-Buch zusammen, das Beier komplett vorfinanzierte.

Im Gegenzug lässt Beier seinen Boris auf Privatpartys einfliegen und sonnt sich im Glanz des ehemaligen Weltklassesportlers.

Hans-Dieter Cleven: Der ehemalige Finanzchef der Metro Group gehört zu den längsten Geschäftskontakten Beckers. 1999 begann ihre Zusammenarbeit. Beide wollten den Sportartikelhersteller Völkl zu neuem Glanz verhelfen. Mit einer Finanzspritze bewahrt er Becker 2003 in dessen Steuerverfahren vor dem Gefängnis. In den nächsten Jahren kommt es aber immer wieder zum Streit, weil Becker sich nicht an Absprachen hält. Es folgt die Trennung. Im Insolvenzverfahren zeigt Cleven alte Ansprüche gegenüber Becker an. Cleven steht auf der Gläubigerliste auf Platz eins und fordert 40 Millionen Euro.

Sascha Rinne: Der Kölner war in den letzten Jahren Beckers Manager. Er vermittelte ihm den Experten-Job beim TV-Sender Eurosport. Als sich die finanzielle Schlinge bei Becker jedoch zuzog, bat er Rinne, ihm das Europsort-Honorar von 100 000 Euro direkt zu überweisen und es später mit der Zahlung des Senders zu verrechnen. Als Becker Insolvenz anmeldete, erinnerte er sich nicht mehr an die Vorauszahlung und forderte die 100 000 Euro für seine Insolvenzmasse. Heute steht Rinne unter den 14 Gläubigern im hinteren Drittel mit seiner 100 000-Euro-Forderung.

Luis Garcia Fanjul: 2009 tauchte der mexikanische Geschäftsmann plötzlich auf und war sogar Beckers Trauzeuge bei der Hochzeit mit Lilly Kerssenberg in St. Moritz. Angeblich kenne man sich schon seit vielen Jahren und wolle nun gemeinsame Geschäfte in Europa machen, hieß es damals aus dem Umfeld. In seiner Heimat waren Geschäfte auch kaum noch möglich.

2006 wurde der Garcia wegen Kreditkartenbetrugs verurteilt. In Europa erweckte er den Eindruck, er gehöre zu der mexikanischen Zucker-Dynastie „Funjal“, die aber jeden Kontakt zu dem Becker-Trauzeugen vehement abstritt. Zuletzt wurde der Mexikaner nicht mehr an der Seite des Deutschen gesehen.

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