München – Man darf davon ausgehen, dass Uli Hoeneß heute Nacht schlecht schlafen wird. Von Mittwoch auf Donnerstag und von Donnerstag auf Freitag, so hatte es der Noch-Präsident des FC Bayern angekündigt, werde es um die Nachtruhe am Tegernsee nicht gut bestellt sein. Erst am Freitagvormittag, kurz bevor er sich auf der Jahreshauptversammlung in der Olympiahalle aus seinem Amt verabschiedet, wird der 67-Jährige wissen, welche letzten Worte als oberster Bayer er sprechen wird. Ist die Rede fertig, blickt Hoeneß entspannt auf den Abend. Denn er läutet die Zukunft des Clubs ein, um den ihn kein bisschen bange ist.
„Ich habe Leute ausgesucht, denen ich diese Aufgabe zutraue“, hatte Hoeneß jüngst verlauten lassen, und dieses „ich“ kann man dabei wörtlich nehmen. Sowohl bei der Bestellung seines Nachfolgers Herbert Hainer als auch der Einstellung von Oliver Kahn, der ab 1. Januar Vorstandsmitglied und ab 2022 Vorstandsvorsitzender sein soll, war Hoeneß federführend. Kahn sieht Hoeneß als „Hoffnungsträger“, zudem traut er dem ehemaligen Nationaltorhüter zu, das von ihm stets bemühte Familienmotiv beim FC Bayern hochzuhalten. Er ist da „zuversichtlich. Auf jeden Fall ist das etwas, das man auf keiner Uni lernen kann oder das du einem Headhunter ins Anforderungsprofil mitgibst. Das hat mit Charakter zu tun.“
Er schätzt den Charakter des Geschäftsmannes Kahn. Nüchtern und faktenbasiert, dazu aber emotional und vom Stallgeruch geprägt. Hoeneß will der Philosophie von Kahn, der „in vielen Bereichen ganz andere Vorstellungen hat“, nicht im Wege stehen, prognostiziert der neuen Führung aber Fehler: „Woher sollen die Leute die Erfahrung haben?“, fragte er im „kicker“. Auch er habe als junger Manager „Mist gebaut“, sei „viel zu emotional gewesen“.
Weggefährten sagen tatsächlich – auch wenn das öffentlich in den letzten Wochen nicht rüberkam –, dass Hoeneß deutlich ruhiger geworden sei. Die Emotionen aber sind geblieben, und die Ankündigung, die „Abteilung Attacke“ wiederzubeleben, den Verein „wie eine Glucke“ zu bewachen, meint er ernst.
Es wird eine Gratwanderung für Hoeneß, der sich einerseits zurückziehen will und muss, andererseits als normales Aufsichtsratsmitglied und Anlaufstelle der neuen Bayern-Macher in alle Themen involviert sein wird. Hainer wird Einiges (u.a. das Thema Basketball) in Hoeneß’ Sinne fortführen, will dem Verein aber auch einen eigenen Stempel aufdrücken.
Rummenigge hat, weil Hainer in sportlichen Themen weniger mitdiskutieren wird als Hoeneß, nun mehr Macht. Dass Hasan Salihamidzic als neuer Sportvorstand bald in gestärkter Position agiert, ist daher kein Zufall. Auch „Brazzo“ kennt und liebt die „Anlaufstelle Tegernsee“, die ab Freitag keineswegs geschlossen ist. Wer Rat braucht, ist willkommen. Schlaflose Nächte hin oder her.