EHC liegt 0:3 hinten und gewinnt 3:2

von Redaktion

Kniffliges CHL-Achtelfinale: Münchner haben Glück, dass ein Tor von Minsk aberkannt wird

VON GÜNTER KLEIN

Minsk/München – Es ist auch international auf den EHC München, den Seriensieger in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Verlass. Er gewann das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League (CHL) bei Yunost Minsk in Weißrussland 3:2 und kann gelassen ins Rückspiel in einer Woche am Oberwiesenfeld gehen. Allerdings: Es war alles andere als ein routiniert eingefahrener Sieg. Das Team von Trainer Don Jackson verspürte den kalten Hauch der Sensation – zu seinen Ungunsten. „Wir waren etwas überrascht“, sagte der Coach, „und mussten erst zu unserer Arbeitsethik finden.“

Auf der Anzeigetafel in der Minsker Chizhovka Arena leuchtete gegen Ende des ersten Drittels schon dieser Zwischenstand auf: Yunost 3 – München 0. Dabei blieb es aber nicht. Denn beim dritten Treffer der Weißrussen fühlte EHC-Torwart Danny Aus den Birken sich von einem Yunost-Stürmer behindert; der Gegenspieler hatte den Schläger in Aus den Birkens Kniekehle eingehakt. Die Schiedsrichter erkannten das Tor zunächst an, gingen dann aber doch zur Betrachtung der Videobilder. Die Münchner Argumentation überzeugte sie, der Treffer wurde zurückgenommen, es stand doch nur 2:0. Schiedsrichter Mark Lemelin erklärte die Entscheidung dem Minsker Trainer Alexander Makritski. Der sagte: „Ha ha ha ha ha“, als wäre ihm ein schlechter Witz erzählt worden. Referees und Coaches werden in der Champions Hockey League verkabelt, deswegen lief der Dialog über die Sender.

Schnelligkeit und Wendigkeit der Weißrussen (die auch sieben Russen in ihrem Kader haben) setzte München zu, die 2:0-Führung (Gainetdinow, 9., Drozdow, 17.) ging in Ordnung. Man merkte, dass dem EHC einer seiner erfahrenen Verteidiger fehlte: Blake Parlett hatte am Montag beim letzten Training vor der Abreise einen Schlagschuss an den Kopf bekommen, er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Schon vor drei Wochen hatte im Spiel der Puck auf seiner Wange eingeschlagen. Parletts Ersatz war Luca Zitterbart, Förderlizenzspieler vom SC Riessersee.

Wer den EHC in Minsk zurück ins Spiel brachte, war Justin Schütz. Der 19-Jährige war sogar noch ein bisschen schneller als die Yunost-Spieler, er blockte in der 34. Minute einen Schuss von Minsk, fuhr auch gleich den Konter und verwertete ihn gegen den starken Torhüter Igor Brikun. Schütz war auch am Ausgleich beteiligt (42.). Trevor Parkes war der Vollstrecker. Der EHC nutzte es aus, dass er in Überzahl ins letzte Drittel gegangen war.

Knapp zwei Minuten später drehten die Münchner das Spiel endgültig. Yasin Ehliz erzielte vor 3243 Zuschauern das 3:2. Ein gutes Resultat, denn – im Eishockey unüblich – wird in der K.o.-Runde der CHL wie im Fußball gespielt: Es kommt nicht nur auf die Siege, sondern auch die Tore an. Im Rückspiel – auch das CHL-Alleinstellungsmerkmal – genügt ein Unentschieden. Es gäbe keine Verlängerung. Jacksons Schlusswort: „So weit – so gut.“

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