Köln – Sebastian Vettel werden sie wohl nicht fragen. Sollte die Formel 1 bald einen Botschafter für ihre neue Umwelt-Kampagne suchen, dann gibt es bessere Kandidaten. Vettel wünscht sich die laute, schmutzige, rohe Königsklasse vergangener Tage zurück – die Formel 1 will nun aber schon ziemlich bald das genaue Gegenteil sein: Klimaneutral ab dem Jahr 2030, und zwar auf und neben der Strecke.
Auch die Königsklasse des Motorsports will sich dem Trend nicht mehr verschließen. Sie erkenne mit ihrer „ersten Nachhaltigkeits-Strategie die wichtige Rolle an, die alle Organisationen spielen müssen, um dieses globale Problem anzugehen“, sagte Formel-1-Chef Chase Carey. Nun stellte die Serie ihren ambitionierten Plan vor, der auch nachhaltige Events ohne jeden Plastikmüll ab 2025 vorsieht – und wagt nun im großen Stil einen Spagat: Der Sport, der wie kein anderer als ewiggestriger Klimasünder gilt, will bald nicht nur weniger schädlich sein. Er will als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit wahrgenommen werden.
„In ihrer 70-jährigen Geschichte hat die Formel 1 Pionierarbeit für zahlreiche Technologien geleistet, die der Gesellschaft geholfen und zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes beigetragen haben“, sagte Carey: „Von der Arbeit profitieren die Straßenautos. Nur wenige wissen, dass die aktuellen Hybrid-Motoren die effizientesten der Welt sind.“ Schon jetzt erziele kein Motor aus weniger Benzin mehr Leistung als die Formel-1-Antriebe: „Daher können wir dabei helfen, den ersten klimaneutralen Hybrid-Verbrennungsmotor zu entwickeln, der den weltweiten Ausstoß deutlich verringern würde.“
Auf dem Weg zur einer klimaneutralen Formel 1 werden es die Motoren allein allerdings nicht richten. Die Formel 1 ist vor allem deshalb schmutzig, weil sie das ganze Jahr über Mitarbeiter und Material rund um den Globus bewegt. In der kommenden Saison wird die Rekordzahl von 22 Rennen erreicht, in naher Zukunft plant Serien-Eigner Liberty Media gar 25 WM-Läufe. sid