Der Ärger kommt zur Geisterstunde

von Redaktion

Uli Hoeneß wütet nach seiner emotional inszenierten Verabschiedung gegen „Krakeeler“

VON DANIEL MÜKSCH

München – Eigentlich hatte der FC Bayern alles versucht, um eine Eskalation wie im letzten Jahr zu verhindern. Die Beiträge der Fans wurden auf drei Minuten begrenzt und das ausufernde Programm schob den Punkt so weit nach hinten, dass sich die Reihen in der Olympiahalle bereits gelichtet hatten.

Doch es half alles nichts. Wieder passten die Wortmeldungen am Mikrofon nicht in das zuvor mühsam skizzierte Bild der einträchtigen Familie aus dem Friede-Freude-Eierkuchen-Land. Zwei Themen standen im Zentrum kurz vor Mitternacht: Der künftige Sportvorstand Hasan Salihamidzic und der Umgang mit den Trainern beim Rekordmeister. Uli Hoeneß verfolgte die Attacken bereits nicht mehr auf der Bühne, sondern als einfaches Mitglied in der ersten Reihe. Auf dem Podium wehrte sich Karl-Heinz-Rummenigge und ergriff Partei für den Sportdirektor. Man solle bei aller Kritik an der Rhetorik nicht vergessen, dass „Brazzo“ nicht in seiner Muttersprache agiert. Zudem könne nur der innere Kreis des Rekordmeisters die Arbeit des Bosniers wirklich beurteilen und diese Beurteilung sei äußerst positiv.

Hoeneß hob sich seine Gegenrede bis zur gemeinsamen Pressekonferenz mit Nachfolger Herbert Hainer auf – auch wenn ihm die Rückhaltung sehr schwergefallen ist: „Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen“, beschrieb der frisch ernannte Ehrenpräsident des FC Bayern weit nach Mitternacht seine Gefühlslage. Die Wortmeldungen gegen Ende der Jahreshauptversammlung haben Tradition. Sie wurden in dieser Form einst ins Leben gerufen, um alle Beteiligten mit einem Gefühl der Bestätigung in die rote Herrlichkeit zu entlassen. Seit einigen Jahren hat sich jedoch eine gegenteilige Tradition etabliert. Zum Schluss der jährlichen Prozedur lassen die Fans lieber ordentlich Dampf ab und bedienen sich ihrerseits der „Abteilung Attacke“. Sehr zum Missfallen des ehemaligen Präsidenten: „Bis zu den Wortmeldungen war das eine super Veranstaltung und dann lassen wir uns von ein paar Krakeelern die ganze Sache nicht kaputt machen, aber beschädigen“, wütete Hoeneß.

Einmal in Form redete sich Hoeneß in Rage. Er machte deutlich, dass diese Form der Kritik nicht zum FC Bayern passt: „Wenn es den Leuten nicht gefällt bei uns, gibt es immer noch die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben.“ Doch selbst das ist dem 67-Jährigen nicht genug: „Gebt eure Mitgliedschaft zurück, dann haben wir wieder Ruhe. Es ist keiner gezwungen, Mitglied bei Bayern München zu sein“, giftete Hoeneß weiter in Richtung der „Krakeeler“.

Solche Tiraden gehören aber wohl der Vergangenheit an: Neben Hoeneß saß sein Nachfolger Herbert Hainer und schwieg zu den Vorkommnissen kurz vorher in der Halle. Ruhig, sachlich und nüchtern – so präsentierte sich der neue Bayern-Präsident. Und das soll auch so bleiben: „Ich bin jetzt 65 und werde mich nicht mehr verändern. So, wie ich 15 Jahre Adidas geführt habe, werde ich auch versuchen, den FC Bayern zu führen“, blickte Hainer auf seine Zeit an der Spitze des Rekordmeisters.

Mit einem Präsidenten Uli Hoeneß wären die Wortmeldungen mit zur nächsten Jahreshauptversammlung mit hoher Wahrscheinlichkeit gestrichen worden. Mit einem Präsidenten Herbert Hainer ist das nicht nötig. Er regelt das einfach durch seine Persönlichkeit.

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