Ginter: Da weiß man, was man hat

von Redaktion

Der Abwehrchef gewinnt an Profil – Zaubertor-Beweis in der Halbzeit

Mönchengladbach – Als Matthias Ginter im Profifußball auftauchte, fiel seine Gesichts-Ähnlichkeit auf mit zweien, die man schon kannte: den Bender-Zwillingen Lars und Sven. Vielleicht auch deswegen wurde er immer vergessen, wenn man Kandidaten für die erste Elf der Nationalmannschaft aufzählte. Es fehlte so etwas wie ein wahrnehmbares eigenes Profil. Ginter, obwohl im Nachwuchsfußball, mit zwei Fritz-Walter-Medaillen hochdekoriert, war immer nur ein Back-up, über den es hieß: Er kann Innenverteidiger spielen, er kann Außenverteidiger spielen, er kann auf der Sechs spielen – aber überall gab es einen Spezialisten, der es noch besser drauf hatte.

Die Benders, von Verletzungen verfolgt, waren in der DFB-Auswahl nur eine Episode, Ginter hingegen profiliert sich. Sein 29. Länderspiel rückte ihn mehr in den Blickpunkt als die Weltmeisterschaft 2014. Er war dabei in Brasilien, ist seitdem der jüngste Weltmeister – 20 war er – in der Geschichte des Verbandes, aber er wurde es halt in der Rolle des Reservisten ohne eine Spielminute. 2018 blieb er sogar als einziger Feldspieler ohne Einsatz, war allerdings zumindest frei von Schuld, was das Vorrunden-Aus in Russland betraf. Richtige Turniererfahrung hat Ginter nur aus dem Confederations Cup 2017 bezogen, den er mit der Mannschaft gewann.

Dieses Erlebnis trug ihn über die Enttäuschungen durch die zahlreichen Nichtberücksichtigungen hinweg. Joachim Löw versicherte ihn zwar stets seiner Wertschätzung – doch auf den zentralen Defensivpositionen war das Angebot groß.

Gerade ist es das nicht mehr, und so bekam Ginter seine Wunschaufgabe: Abwehrchef. Der noch ein Tor erzielte (sein erstes) und zwei vorbereitete. „Das ist mir als Profi noch nie gelungen.“ Das 1:0 war sogar ein Zauberstück mit der Hacke. Aus der Not entstanden: „Für die Vorlage von Serge Gnabry war ich schon einen Schritt zu weit.“ In der Halbzeit musste er in der Kabine die Szene nachstellen – „damit die anderen auch glauben, dass es Absicht war“.

Joachim Löw richtete sein Augenmerk jedoch auf die Abwehrarbeit Ginters. „Das war solide, seriös und zuverlässig. Bei ihm weiß man, was man hat.“  gük

Artikel 1 von 11