Hoeneß’ Abschied

Keine Minute zu früh

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Als Journalist ist man bemüht, kleine Bilder auf das Ganze zu übertragen. Eine winzige Geste soll den großen Gedanken symbolisieren. Unter dieser Prämisse war die Abdankung von Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung ein Festtag für die Journalistenseele.

Im Verlauf des Abends konnte man genau erkennen, warum Uli Hoeneß mit dem FC Bayern einen so unglaublichen Erfolg gehabt hat und den Verein zu einer Weltmarke formen konnte. Man erkannte jedoch gleichzeitig, dass es höchste Zeit für Hoeneß war, sich aus der ersten Reihe zu verabschieden und das Zepter an Persönlichkeiten zu übergeben, die mehr Verständnis für moderne Unternehmenskultur haben.

Uli Hoeneß war zu Beginn seiner Manager-Karriere ein Vordenker in Deutschland: Er revolutionierte das Merchandising hierzulande nach US-Vorbild – der richtige Mann zur richtigen Zeit. Mit seiner Leidenschaft und unbändiger Energie zog er Spieler, Funktionäre und Fans in seinen Bann. Aus Angestellten machte er Überzeugungstäter. Diesen Zauber hielt Hoeneß lange am Leben – wie die feuchten Augen von Franck Ribéry am Freitagabend in der Olympiahalle verrieten.

Die Hoeneß-Attacken auf die Wortmeldungen der Fans offenbarten allerdings, dass er und der gesamte Verein es versäumt haben, eine moderne Firmenkultur an der Säbener Straße zu etablieren. Es reicht als Führungskraft schon lange nicht nicht mehr aus, bloß Entscheidungen zu treffen; man muss diese auch erklären – immer und immer wieder. Das Gespräch mit Kritikern selber suchen. Erst recht, wenn sich das eigene Handeln unter dem Brennglas der Öffentlichkeit abspielt.

Uli Hoeneß hätte lieber kritikloses Klatschvieh, dass dem Verein und seinen Protagonisten huldigt, anstatt Entscheidungen zu hinterfragen. Brandet bei Oliver Kahn Applaus auf, nimmt er diese Öffentlichkeit mit Genugtuung auf. Kritische Töne zu Hasan Salihamidzic stammen von „Krakeelern, die nicht einmal in ihrem Wohnblock Verantwortung für die Kehrwoche übernehmen“. Dieses eindimensionale Weltbild mag vor vierzig Jahren funktioniert haben. Im Zeitalter sozialer Medien und einer permanent hörbaren Anhängerschaft ist es respektlos und treibt einen Keil zwischen Fans und Club.

Herbert Hainer kann das Hoeneß hoffentlich erklären.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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